Mitfreude stärkt Beziehungen: Warum Paare diesen Begriff jetzt kennen müssen

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Von : Johanna Feldner

Gegenteil von Eifersucht: Diesen Begriff sollten alle Paare kennen

Eine Netflix‑Mini-Serie hat mich mit einem Begriff konfrontiert, der unser Verhältnis zu Treue und Nähe neu denken lässt: Resonanzfreude. Warum das wichtig ist: Weil die Fähigkeit, sich ehrlich am Vergnügen oder der Erfüllung des Partners zu freuen, direkte Auswirkungen auf Vertrauen, Intimität und Beziehungsgestaltung hat.

In der Serie „Vladimir“ begleitet man eine Literaturprofessorin Mitte fünfzig, die in eine starke, obsessive Verbindung zu einem jüngeren Kollegen gerät. Die Handlung fragt nach Macht, Verlangen und den feinen Übergängen zwischen Kontrolle und Kontrollverlust – und führt nebenbei das Wort ein, das viele Paare bislang kaum kannten.

Eifersucht wird gesellschaftlich oft als romantischer Beweis für Verbundenheit akzeptiert: ein Zeichen, dass einem etwas bedeutet. In der Praxis zeigt sich jedoch meist das Gegenteil. Eifersucht verengt den Blick, verwandelt Chancen in Bedrohungen und belastet Kommunikation und Sexualität. Resonanzfreude dagegen öffnet: Sie beschreibt das ehrliche Mitfreuen, wenn der Partner außerhalb der Zweierbeziehung Zufriedenheit oder sexuelle Erfüllung erlebt.

Wie das in echten Beziehungen aussieht

Paare, die bewusst alternative Beziehungsmodelle leben, berichten häufiger von Resonanzfreude. Alex und Tine, etwa, führen seit Jahren eine Beziehung, in der Begegnungen mit anderen zulässig sind — und beide schenken dem jeweils anderen die Fähigkeit, Freude mit Fremden zu haben. Ihre Strategie: klare Regeln und offene Kommunikation. Mythisches Drama bleibt so seltener.

Ein anderes Beispiel ist Michael, der seit drei Jahrzehnten verheiratet ist. Er beschreibt, dass ihn das Beobachten seiner Frau mit anderen Männern sexuell erregt. Für viele Paare wäre allein der Gedanke daran belastend; für Michael ist es Teil des gemeinsamen Spiels und einer gelebten Vorliebe. Solche Konstellationen funktionieren nur mit ehrlicher Abgrenzung und beiderseitigem Einverständnis.

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Merkmal Eifersucht Resonanzfreude
Grundhaltung Besitzdenken, Angst vor Verlust Teilnahme am Glück des Anderen, Vertrauen
Auswirkung Konflikte, Kontrollverhalten Offenheit, erweiterte Intimität
Voraussetzung Unsichere Bindung, Konkurrenzdenken Selbstvertrauen, klare Absprachen

Wann Eifersucht gefährlich wird — und wann fehlende Eifersucht ein Signal ist

Deutschlands Umfragen zeigen: Eifersucht bleibt verbreitet. Laut einer Untersuchung von ElitePartner empfinden deutlich über die Hälfte der Befragten zumindest gelegentlich Eifersucht, bei etwa jedem zehnten Menschen ist sie besonders stark ausgeprägt. Das heißt: Für viele Paare ist das Thema relevant, oft allgegenwärtig.

Gleichzeitig kann das komplette Fehlen von Eifersucht ambivalente Bedeutung haben. Es kann Ausdruck emotionaler Souveränität und stabilen Selbstwerts sein — oder auf eine psychische Auffälligkeit hindeuten. Psychotherapeutin Lisa Zimmermann erklärt in einem Gespräch, worauf Partner achten sollten: Zum Beispiel ob Empathie vorhanden ist, ob Kommunikation möglich bleibt und ob Gleichgültigkeit oder emotionale Abstumpfung vorliegen.

  • Kurze Orientierung: Resonanzfreude ist nicht automatisch erwartet oder leicht herstellbar — sie braucht Arbeit an Nähe, Sicherheit und Sprache.
  • Grenzen sind wichtig: Auch in offenen oder polyamoren Beziehungen gelten Vereinbarungen und Respekt.
  • Therapie kann helfen: Bei überwältigender Eifersucht oder emotionaler Gefühllosigkeit lohnt sich professionelle Unterstützung.

Was können Paare konkret tun, wenn sie von Eifersucht belastet sind oder Resonanzfreude entwickeln möchten? Einige praktikable Schritte:

  • Transparente Absprachen über Erwartungen und Grenzen treffen.
  • Gefühle benennen, statt sie in Vorwürfe zu verwandeln.
  • Selbstwert und Interessen außerhalb der Beziehung stärken.
  • Kleine Übungsfelder schaffen: Mitfreuen lernen, ohne Verpflichtung zum Gefühl.

Im Hintergrund dieses Themas stehen auch gesellschaftliche Fragen: Wie verändern soziale Medien unser Vergleichsverhalten? Welche Rolle spielt Sexualität in der Identität einzelner Menschen? Wer über Alternativen zu Monogamie liest, trifft auf sehr unterschiedliche Modelle — und sollte prüfen, ob sie zur eigenen Lebenswirklichkeit passen.

Wenn Sie mehr zum Thema lesen möchten: Meine Kollegin Yannah Alfering hat Alex und Tine interviewt, meine Kollegin Eileen Wagner sprach mit Lisa Zimmermann über Warnsignale. Beide Beiträge beleuchten unterschiedliche Facetten von Eifersucht und Resonanzfreude und zeigen, wie variabel Beziehungen heute gestaltet werden können.

Haben Sie eigene Erfahrungen, Fragen oder Kritik? Schreiben Sie mir gern an alina.juravel@funkemedien.de. Wenn Sie unseren Newsletter „Ein FUNKE Liebe“ noch nicht kennen: Er erscheint alle zwei Wochen sonntags mit Alltagsthemen rund um Partnerschaft und Nähe.

Herzliche Grüße,
Alina Juravel
Redaktion Leben, FUNKE Medien

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