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Die Wiedervereinigung von Harry und Charles – Kein Märchen des Spätsommers
Nach einer Pause von 19 Monaten haben sich König Charles und sein Sohn Harry wieder gesehen. Es markiert den neuesten Versuch einer Aussöhnung, die schon seit Monaten vorbereitet wird. Doch bisher rührt es noch nicht wirklich an die Herzen.
55 Minuten lang, exakt von der britischen Boulevardpresse gestoppt, dauerte das Teegespräch am vergangenen Mittwoch zwischen Charles III., dem Monarchen des Vereinigten Königreichs und weiteren Territorien, und seinem Sohn Harry Windsor, der mittlerweile in den USA lebt und als TV-Produzent arbeitet, jedoch immer noch besser bekannt ist als Prinz.
Die erste Begegnung nach langer Zeit fand im Clarence House statt, was für die Menschheit kaum eine Bedeutung hat, aber für Harry, der seit 2020 offiziell kein aktiver Royal mehr ist, ein großer Schritt ist. Er darf weiterhin den Titel Herzog von Sussex tragen.
55 Minuten sind immerhin 40 Minuten mehr als beim letzten Treffen der beiden, welches vor mehr als anderthalb Jahren stattfand, im Februar 2024, als bei Charles Krebs diagnostiziert worden war. „Great“ sei das Gespräch gewesen, also „großartig“, das war der knappe und auch einzige Kommentar, den Harry bei der direkt anschließenden Veranstaltung auf Nachfrage von sich gab. Es war ein Event der Invictus Games, jener Sportveranstaltung für verwundete Soldaten, deren Schirmherr Prinz Harry noch immer ist. Das Gespräch dauerte so lange, dass Harry bei seiner verspäteten Ansprache vor den Soldaten scherzhaft vermutete, die Wartenden hätten alle vermutlich längst einen im Tee.
Verschwiegenheit war übrigens – mehr als verständlich – die Grundbedingung von Team Charles für das Treffen, dessen Ziel es gewesen sei, „die Vater-Sohn-Beziehung wieder aufzubauen“. Team Harry habe Charles zugesichert, dass diesmal tatsächlich nichts darüber an die Öffentlichkeit gelangen werde, heißt es dazu von den gern zitierten „Quellen aus dem Palast“, die unter anderem die „Daily Mail“ aufschnappte.
Das Misstrauen von Team Charles ist dabei mehr als verständlich, besteht doch die einzig sprudelnde Verdienstquelle des verlorenen Sohnes seit dem Abgang nach Montecito darin, unschöne Details aus den Tiefen des Windsorclans in Buch und Doku zu vermarkten. Kontinuierliches Nestbeschmutzen aber, da wird jeder Coach/Therapeut zustimmen, macht „family bonding“ generell eher schwierig. Und auf Dauer – man sieht es an den schmaler werdenden Deals von Harry und Meghan in den USA –ist es auch kein Geschäftskonzept.
Immerhin, das Treffen wird in der Nachbereitung von Palastanalytikern „als wichtiger erster Schritt“ für eine Normalisierung des Verhältnisses gewertet. Verbunden mit der Hoffnung, mittelfristig einen dauerhaften Frieden zwischen beiden Parteien zu erlangen, Wiedervereinigung nicht ausgeschlossen. Sätze, die normalerweise fallen, wenn sich Vertreter von Nord- und Südkorea treffen.
Harry und Charles – wird das das Spätsommermärchen 2025? Eher nicht. Denn selbst die glühendsten Harry-Fans unter den Royalisten bleiben skeptisch – und von denen gibt es in Großbritannien auch nicht mehr viele. Bei ersten Online-Umfragen, ob die Versöhnung mit dem Sohn (und dessen ungeliebter Frau) eine gute Idee von Charles sei, meint die deutliche Mehrheit der befragten Briten: nö. Fünf Jahre Megxit haben ihre Spuren hinterlassen.
Die fehlende Begeisterung liegt aber vermutlich auch an der Inszenierung, die – Team Charles hat eindeutig die Zügel in der Hand – arg nüchtern und diplomatisch daherkam – sicher nicht nur zum Bedauern der ehemaligen Seriendarstellerin Meghan Markle, die es hollywoodesker mag. Die Annäherung hatte bisher so gar keinen Glam, liefert keinerlei Bilder, die ans Herz gehen oder zumindest viral. Vom ersten Friedensangebot Harrys im sehr ernsten Interview im April mit der BBC über die Gespräche der Kommunikationschefs beider Lager in einem Londoner Privatclub, die Anfang Juli die „Mail on Sunday“ leakte. Auch vom Vater-Sohn-Treffen selbst gibt es kein einziges Bild, nur zwei Männer, die getrennt im Nieselregen vorfahren.
Scheint dennoch bald die Sonne? Gibt es dann nicht nur bessere Nachrichten, sondern auch die Bilder dazu? Vermutlich. Denn die Enkel werden, das sieht der Friedensplan offenbar vor, mit einem Besuch folgen. Und um die soll es Charles vor allem gehen. Er wolle Prinz Archie, 6, und Prinzessin Lilibet, 4, endlich besser kennenlernen. Und er wird sich dann sicher auch mit ihnen zeigen (wollen).
Interessant wird sein, ob sie mit oder ohne ihre Mutter anreisen?
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.