Karneval bringt mehr Fremdgehen: Paarberater warnen vor Beziehungskrise

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Von : Johanna Feldner

Fremdgehen an Karneval? Warum nach dem Konfetti oft auch die Treue fällt

Wenn auf Partys die Hemmungen fallen, geraten auch Beziehungsregeln schneller ins Wanken – das merken viele Paare gerade jetzt in der Faschings- und Reisezeit. Fachleute warnen: Alkohol erleichtert impulsives Verhalten, doch er entbindet nicht von der Verantwortung für Fehltritte.

Alkohol wird oft als Erklärung vorgebracht, wenn Grenzen überschritten werden. Studien und Umfragen deuten darauf hin, dass Konsum mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Seitensprünge zusammenfällt. Gleichzeitig zeigen Befragungen, wie unterschiedlich Paare und Geschlechter definieren, was als Betrug gilt — vom flüchtigen Kuss bis zur heimlichen Affäre.

Wann ist ein Ausrutscher mehr als nur ein Versehen?

Die Antwort darauf ist keinheitlich: Für manche Paare beginnt Fremdgehen bereits beim Kuss, für andere erst bei wiederholten oder emotionalen Bindungen. Psychotherapeutinnen betonen, dass die jeweilige Beziehungsform und abgesprochene Grenzen entscheiden, ob ein Vorfall als Verstoß gegen die Vereinbarung gilt.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt bemerkenswerte Unterschiede: Mehr als die Hälfte der befragten Frauen zählt einen Kuss zum Seitensprung, bei Männern trifft das deutlich seltener zu. Solche Unterschiede führen in Krisen häufig zu Missverständnissen über Ausmaß und Schwere eines Fehlers.

Warum wird Alkohol so oft als Ausrede genannt?

Laut Expertinnen kann Alkohol die Hemmschwelle senken: Er reduziert Sorgen um Konsequenzen und schaltet soziale und moralische Bedenken leichter aus. Das macht spontane körperliche oder sexuelle Kontakte wahrscheinlicher — vor allem in Kontexten, die ohnehin als „Auszeit“ empfunden werden, etwa Urlaub oder Karneval.

Gleichzeitig warnen Fachleute: Entscheidend ist nicht allein der Rauschmoment. In vielen Fällen sei die Neigung, Regeln zu brechen, bereits vorher vorhanden. Wer bewusst Alkohol oder Drogen einsetzt, um Hemmungen zu überwinden, trage weiterhin die volle Verantwortung für das eigene Handeln.

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Was aktuelle Umfragen zeigen

  • Ein großer Teil der Befragten sieht in anonymen, ausgelassenen Situationen (z. B. Karneval) mehr Chancen für erotische Abenteuer.
  • Männer geben in Umfragen häufiger an, absichtlich Gelegenheiten suchen zu wollen; bei Frauen spielt die Anonymität oft eine größere Rolle.
  • Regelmäßiger starker Substanzkonsum korreliert in Studien mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Untreue, sagen Wissenschaftlerinnen.

Wie Betroffene den Vertrauensbruch erleben

Für die verletzte Partnerin oder den verletzten Partner schmerzt nicht nur die Tat selbst, sondern oft die nachträglichen Erklärungsversuche. Entschuldigungen, die auf Rauschzustände verweisen, werden häufig als Verleugnung der Verantwortung empfunden und vertiefen den Vertrauensverlust.

Auch bewusste Täuschung — wie Lügen über Aufenthaltsorte oder eine heimlich geführte Affäre — wird als besonders zerstörerisch beschrieben, weil sie ein doppeltes Leben offenbart: körperlich und emotional.

Praktische Schritte nach einem Seitensprung

Therapeutinnen raten zu einem ehrlichen, zeitnahen Umgang mit dem Geschehen und zu einer klaren Kommunikation über Grenzen. Wer von einem Fehltritt erfährt, sollte sich Zeit für die eigenen Gefühle nehmen und Unterstützung in Anspruch nehmen — etwa durch vertraute Personen oder professionelle Beratung.

  • Offenheit: Ein frühzeitiges Geständnis reduziert das Ausmaß des Vertrauensbruchs in vielen Fällen.
  • Eigenverantwortung: Alkohol mildert nicht die Schuld; aktive Verantwortung ist für Heilung zentral.
  • Gefühle zulassen: Wut, Trauer, Eifersucht und Sehnsucht brauchen Raum, um klare Entscheidungen zu ermöglichen.
  • Professionelle Hilfe: Paar- oder Einzeltherapie kann bei der Verarbeitung und der Entscheidungsfindung unterstützen.

Fazit: Kein Freifahrtschein, aber ein Risikofaktor

Alkohol erhöht die Wahrscheinlichkeit für impulsive, die Beziehung gefährdende Handlungen — vor allem in Situationen, in denen Distanz, Anonymität oder Feierlaune vorherrschen. Dennoch bleibt die Verantwortung beim Handelnden: Wer bewusst zu Rauschmitteln greift, kann sich nicht allein auf deren Wirkung berufen, wenn Grenzen verletzt werden.

Für Paare bedeutet das: Klare Absprachen, ehrliche Gespräche und ein Bewusstsein für Risikosituationen können helfen, Enttäuschungen zu vermeiden. Gelingt das nicht, ist professionelle Unterstützung ein sinnvoller nächster Schritt, um Wunden zu heilen oder einen neuen Weg zu finden.

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