Fremdgehen oder harmlos: Expertin erklärt, wann ein Flirt Grenzen überschreitet

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Von : Johanna Feldner

Kleiner Flirt schon Fremdgehen? Expertin erklärt wichtigen Unterschied

Flirten per Nachricht oder ein einziger Kuss – ab wann endet harmloses Verhalten und wird zur Untreue? Die Debatte ist aktuell, weil digitale Kontakte und heimliche Chats immer öfter Spannungen in Partnerschaften auslösen und Vertrauen schnell zerstört werden können.

Vertrauensverlust zählt zu den häufigsten Trennungsgründen: Studien zeigen, dass wiederholtes Fremdgehen oder langjährige Affären für viele Paare das Beziehungsaus bedeuten. Doch darüber, wo genau die Grenze verläuft, besteht große Uneinigkeit.

Was Expertinnen und Studien sagen

Paartherapeutin Lisa Fischbach betont, dass sich nicht für alle dieselben Regeln anwenden lassen. Entscheidend sei weniger die Art der Handlung allein, sondern ob ein zuvor vereinbarter Vertrauensrahmen verletzt wurde. „Wenn eine Vereinbarung über Exklusivität stillschweigend aufgehoben wird, erleben viele das als Verrat“, erklärt sie.

Untersuchungen untermauern diese Differenz: In einer Befragung von mehreren tausend Menschen nennen deutlich mehr Frauen frühe Formen von Nähe bereits als „Untreue“ — etwa Flirts oder Küsse — während Männer häufiger erst körperliche Intimität außerhalb der Beziehung als Verletzung ansehen. Ein Konsens besteht jedoch bei ungeschütztem Sex oder wiederholten Treffen mit derselben Person: das wird in den meisten Fällen als klare Form der Untreue gewertet.

Worin sich Seitensprung und Affäre typischerweise unterscheiden

Merkmal Seitensprung Affäre
Häufigkeit Ein einmaliges Ereignis Mehrere, wiederkehrende Begegnungen
Emotionale Bindung Meist rein körperlich Oft mit emotionaler Nähe und Gefühlen
Planung Spontan oder einmalig Gezielt verabredet und wiederholt
Verzeihbarkeit Manche Paare verzeihen schneller Wird häufiger als schwerwiegender Vertrauensbruch empfunden
Typisches Beispiel One‑Night‑Stand Langjährige heimliche Beziehung zu einer dritten Person

Die Tabelle fasst Merkmale zusammen, doch jede Beziehung hat ihre eigenen Regeln. Entscheidend bleibt, wie Partner die Grenzen definieren.

Darauf sollten Paare jetzt achten

  • Klare Absprachen: Reden Sie offen darüber, was Sie jeweils als Treue verstehen.
  • Eigene Schmerzgrenzen kennen: Fragen Sie sich, welche Verhaltensweisen Sie persönlich verletzen.
  • Digitale Transparenz aushandeln: Umgang mit Chat-Sichtbarkeit, Dating‑Apps oder heimlichen Accounts klären.
  • Früh reagieren: Ein einmaliges Fehlverhalten sofort ansprechen, statt es schwelen zu lassen.
  • Externe Hilfe nutzen: Paartherapie kann helfen, wenn Gefühle verletzt und Vertrauen wiederaufgebaut werden müssen.

Fischbach weist darauf hin, dass unterschiedliche Sichtweisen nicht zwangsläufig das Aus bedeuten müssen. „Paare können sehr wohl individuelle Grenzen vereinbaren und praktisch verhandeln, welche Freiräume akzeptabel sind“, sagt die Therapeutin. Wichtig sei, die eigene Position zunächst zu klären und dann im Dialog zu prüfen, ob gemeinsame Regeln möglich sind.

Ein weiterer Punkt: Die digitale Welt verkompliziert die Einschätzung. Ein längerer, vertraulicher Chat kann für den einen schon als intime Bindung gelten, für den anderen bleibt er banal. Deshalb lohnt es sich, nicht nur das Verhalten zu benennen, sondern auch zu erklären, warum es verletzt—zum Beispiel, weil bestimmte sexuelle Praktiken außerhalb der Beziehung stattfinden oder heimliche Gefühle entstanden sind.

Wann ist professionelle Hilfe sinnvoll?

Wenn der Vertrauensbruch tief sitzt, regelmäßige Affären stattfinden oder die Kommunikation dauerhaft gestört ist, empfiehlt sich Paartherapie. Therapeutinnen und Therapeuten können helfen, den Schaden zu benennen, Perspektiven auszutauschen und realistische Schritte für einen Neuanfang — oder eine klare Trennung — zu entwickeln.

Kurz zusammengefasst: Es gibt keine universelle Grenze für Fremdgehen. Entscheidend sind individuelle Vereinbarungen, das Ausmaß des Vertrauensbruchs und die Bereitschaft, darüber ehrlich zu sprechen.

Dieser Beitrag erschien erstmals im Mai 2024.

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