Fremdgehen verändert das Belohnungszentrum: Neurobiologin warnt vor suchtartiger Wirkung

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Von : Johanna Feldner

Neurobiologin übers Fremdgehen: „Macht süchtig wie gutes Essen oder Drogen“

Untreue bleibt ein Vertrauensbruch, der Partnerschaften grundlegend erschüttern kann – und gewinnt an Bedeutung, weil Dating-Apps, veränderte Lebensläufe und die Pandemie-Reise in Beziehungen neue Dynamiken schaffen. Zwei Fachleute, eine Neurobiologin und ein Sexualwissenschaftler, erklären, warum körperliche Mechanismen und Persönlichkeitsfaktoren Seitensprünge begünstigen – und welche Folgen das für Betroffene hat.

Einmaliger Seitensprung oder längerfristige Affäre?

Ein einmaliger Sex mit einer anderen Person und eine heimliche Affäre unterscheiden sich nicht nur in Dauer, sondern auch in zugrundeliegender Dynamik. Während Kurzschlussentscheidungen oft impulsiv entstehen, entwickeln sich langfristige Beziehungen nebenher meist aus anhaltender emotionaler Distanz oder gezielter Bedürfnisbefriedigung.

In monogamen Partnerschaften wird Fremdgehen in der Regel als klarer Trennungsgrund empfunden. Unabhängig vom Kontext bleibt der Kern der Problematik: Es geht um verletztes Vertrauen und oft um eine Neuverhandlung von Erwartungen.

Was im Gehirn passiert

Die Forscher nennen vor allem das menschliche Belohnungssystem als zentrale Triebfeder. Beim Reiz durch eine neue Person schüttet das Gehirn vermehrt Dopamin aus – das Gefühl von Erregung und Verlangen wird verstärkt. Zugleich wirken Hormone wie Oxytocin bei bestehender Bindung regulierend, können aber durch neue sexuellen Kontakte weniger wirksam sein.

Weitere Faktoren auf biologischer Ebene:

  • Neuheitseffekt: Neue Reize aktivieren Belohnungszentren stärker als Vertrautes.
  • Testosteron und Libido: Hormonelle Unterschiede beeinflussen Antrieb und Risikobereitschaft.
  • Impulssteuerung: Neurobiologische Grundlagen der Selbstkontrolle variieren individuell und können Untreue wahrscheinlicher machen.

Mehr als nur Biologie

Biologie erklärt Teile des Verhaltens – sie ist aber kein Freibrief. Sozialer Kontext, Beziehungsgeschichte, Kommunikationsmuster und Gelegenheit spielen eine ebenso große Rolle. Menschen mit unsicherem Bindungsstil suchen häufiger außerhalb der Beziehung Bestätigung; andere reagieren auf Stress oder fehlende Nähe mit Affären.

Die Experten betonen: Nicht jeder, bei dem das Belohnungssystem stark reagiert, wird untreu. Kontext und Werte entscheiden, ob ein Impuls in Handlung übergeht.

  • Warum es jetzt relevant ist: Höhere Erreichbarkeit durch Apps und veränderte Alltagsstrukturen schaffen mehr Gelegenheiten für kurze Kontakte und emotionales Fremdgehen.
  • Praktische Konsequenz: Paare, die offen über Bedürfnisse und Grenzen sprechen, verringern das Risiko eines Seitensprungs.

Konkrete Folgen für Paare

Untreue führt oft zu Vertrauensverlust, intensiven Konflikten und der Notwendigkeit, Beziehungsregeln neu zu definieren. Manche Beziehungen zerbrechen, andere beginnen nach Aufarbeitung und Therapie einen neuen Abschnitt.

Wichtig ist: Die Reaktion auf Fremdgehen ist individuell. Manche Partner fordern Ehrlichkeit und sofortige Offenlegung, andere empfinden ein Geständnis als zusätzlichen Schaden.

  • Hinweise, die auf ein Risikoverhalten hindeuten können: wiederholte Heimlichtuerei, plötzliche emotionale Distanz, häufige Alleinzeiten ohne Erklärung.
  • Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist: bei andauernder Vertrauenskrise, selbstverletzenden Reaktionen oder wenn Paare die Beziehung bewahren möchten, aber allein nicht weiterkommen.

Was Leser jetzt mitnehmen sollten

Das Zusammenspiel von Gehirn, Hormonen und Lebensumständen macht Untreue erklärbar, aber nicht unvermeidlich. Verständnis für die Mechanismen kann helfen, Situationen früh zu erkennen und Beziehungen gezielter zu schützen.

  • Selbstreflexion: Sich über eigene Bedürfnisse und Impulse klarzuwerden, reduziert überraschende Entscheidungen.
  • Kommunikation: Offene Gespräche über Erwartungen schaffen Stabilität.
  • Bei schweren Rissen: Paartherapie oder Beratung kann den Weg zur Aufarbeitung ebnen.

Kurzfristige Erregung und langfristige Bindung stehen häufig im Widerspruch – doch wer beide Seiten kennt, hat bessere Chancen, Konsequenzen abzuwägen und Verantwortung zu übernehmen.

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