Der Bayerische Rundfunk bringt ein bayerisches Ritual ins Streaming-Zeitalter: In einer fünfteiligen Reality-Serie werden nächtliche Maibaum-Aktionen zu einem Wettkampf mit Social‑Media‑Begleitung. Die neue Produktion reizt, weil sie zeigt, wie Lokaltraditionen und digitale Popularität jetzt aufeinandertreffen — und warum das viele Zuschauerinnen und Zuschauer interessieren dürfte.
Alle fünf Episoden sind ab Freitag, 17. April, in der ARD Mediathek verfügbar; das BR‑Fernsehen strahlt die Staffel dann am Donnerstag, 30. April, ab 22:45 Uhr linear aus.
Nächte, Taktik und Vereinsgeist
Im Zentrum steht der klassische Brauch des Maibaumklau, bei dem rivalisierende Dorfgemeinschaften versuchen, den Baum der Nachbarn zu holen. Was nach heiterer Folklore klingt, ist in vielen Orten klar geregelt: Planen, Teamarbeit und strategische Ablenkungsmanöver gehören dazu.
Für die Sendung traten drei Teams an, die innerhalb weniger Drehtage versuchen, die Maibäume der Konkurrenz zu erobern. Zu den Spielvarianten zählen praktische Aufgaben wie Kistenstapeln oder das Werfen von Bierfässern — Herausforderungen, die Zeitfenster schaffen, in denen ein Baum unbewacht bleibt. Gedreht wurde bewusst überwiegend nachts, um die Atmosphäre der Aktionen einzufangen und die Spannung zu erhöhen.
Auf regionaler Ebene kommen Teilnehmer aus Orten wie Unterföhring, Feldmoching sowie einem gemeinsamen Team aus Hochbrück und Oberschleißheim zum Einsatz.
Social‑Media‑Creators als Teil des Formats
Ein wichtiges Element der Produktion ist die Einbindung von Influencern. Jede Gruppe wird von Content Creators begleitet; namentlich sind unter anderem Saint Skye, Zeo und Tschuggi beteiligt. Sie agieren nicht nur als Berater, sondern filmen mit und verbreiten Eindrücke parallel über Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube.
Die Macher setzten auf eine Mischung aus klassischen Kameras und persönlicher Perspektive: Bodycams, GoPros, Drohnen und Smartphones liefern unmittelbare Nahaufnahmen und sollen Zuschauende mitten in die Geschehnisse ziehen. So entsteht ein Hybrid aus dokumentarischem Material und inszeniertem Wettkampf.
Wie der BR das Projekt einordnet
Beim Sender wird das Format als Beispiel dafür verstanden, wie regionales Brauchtum modern aufbereitet werden kann: Die Produktion will Vereinsleben, lokale Identität und ein spielerisches Konzept zusammenführen und dadurch neue Zielgruppen erreichen. Damit greift der BR bewusst Trends auf, in denen Streamingformate und Social Media traditionelle Öffentlichkeiten verändern.
Die Kombination aus Lokalstolz und digitalen Formaten birgt Chancen — etwa beim Erreichen jüngerer Zuschauerinnen und Zuschauer — und wirft zugleich Fragen zu Darstellung, Sicherheit und Verantwortung bei nächtlichen Aktionen auf.
Was Zuschauer erwartet
Wer die Folge verfolgt, erhält kein reines Kulturporträt, sondern ein kurzes, körpernahes Wettkampf‑Format: Spannung, Teamdynamik und Social‑Media‑Begleitung wechseln sich ab. Für alle, die beobachten wollen, wie Brauchtum im digitalen Zeitalter neu verhandelt wird, dürfte die Reihe deshalb besonders interessant sein.
Der Start in der Mediathek macht die Sendung sofort verfügbar — und eröffnet zugleich die Debatte, wie viel Sichtbarkeit lokale Rituale vertragen, wenn sie ins Entertainment‑Raster geraten.
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Jonas Reichert ist ein leidenschaftlicher TV-Kritiker, der die neuesten Shows und Serien analysiert. Mit Fachwissen und Humor bringt er seinen Lesern die faszinierende Welt des Fernsehens näher.
