Beim RTL-Oster‑Special von Wer wird Millionär? wurde eine 86‑jährige Kandidatin zum Publikumsliebling: Mit schlagfertigen Anekdoten und einer überraschenden Mischung aus Risiko und Zurückhaltung sorgte sie für gute Laune und zeigte zugleich, wie sehr ältere Teilnehmer die Sendung bereichern. Das gibt dem Formatroutinen des Quizformats einen aktuellen, gesellschaftlichen Bezug – gerade in Zeiten, in denen Repräsentation älterer Menschen im TV öfter gefordert wird.
Die Duisburgerin Elisabeth Jakubowski war nicht zum ersten Mal im Studio: Schon im März war sie kurz zu sehen, damals scheiterte sie an der Vorauswahl und fiel vor allem durch Zwischenrufe auf. Beim Ostertermin erhielt sie erneut die Chance auf dem Ratestuhl – diesmal ohne die Hürde der Auswahlfrage und mit einem Publikum, das schnell für Sympathien sorgte.
Locker gestartet, einmal auf das Publikum vertraut
Die ersten Fragen löste Jakubowski routiniert, bei der 4.000‑Euro‑Frage wurde es allerdings knifflig. Sie überlegte kurz, warum die Farben Weiß, Rot und Blau einem bestimmten Trio zugeordnet würden, tendierte erst zur Lösung „die Musketiere“ – schließlich sei die französische Flagge blau‑weiß‑rot. Am Ende half das Studio mit, und die richtige Antwort lautete auf die Jugendkrimi‑Reihe.
Bei weiteren Fragen nutzte sie Jokersituationen; ein Bekannter, der als Redakteur beim WDR arbeitet, stand ihr zwar als Telefonjoker zur Verfügung, konnte aber bei der 32.000‑Euro‑Aufgabe nicht weiterhelfen. Stattdessen war es ein Zuschauer, der die passende Lösung beisteuerte.
Anekdoten zwischen Quizfragen
Die Sendung lebte nicht nur vom Taktieren um Geldbeträge, sondern auch von Jakubowskis Erzählfreude. Nach dem Beantworten einer höheren Frage reichte Moderator Günther Jauch ihr ein Glas Eierlikör – woraufhin sie eine kleine Geschichte vom Pfarrfest zum Besten gab. Dort habe sie zusammen mit einem Bekannten Enzianschnaps getrunken und sich später in der Kirche vom Pastor nach vorn rufen lassen; sie habe ihm offen gesagt, sie sei „voll wie eine Haubitze“ und hielt trotzdem eine Rede, die das Publikum beeindruckte.
Solche persönlichen Einwürfe trugen merklich zur Stimmung bei und machten Jakubowski zu einer der unterhaltsameren Kandidatinnen der Folge.
Mutig bei Alltagsthemen, vorsichtig beim großen Wagnis
Eine der höheren Fragen betraf die Statistik: Wann passieren hierzulande die meisten Verkehrsunfälle mit Senioren? Jakubowski überlegte gesellschaftstypisch und schloss frühe Montagmorgen und späte Samstagabende aus – ihre Intuition führte sie schließlich auf den Freitagvormittag, als Zeit, in der ältere Menschen unterwegs zum Markt oder Arzt sind. Diese Wahl erwies sich als korrekt.
Bei der 125.000‑Euro‑Frage erkannte sie zwar die wohl richtige Antwort (eine Unterscheidung bei Popcornsorten), entschied sich aber gegen ein weiteres Risiko: „Was soll unsereins auf die alten Tage mit so einem Wagnis?“, brachte sie sinngemäß zum Ausdruck und verließ das Spiel mit einem Gewinn von 64.000 Euro.
Kurz und knapp: Ihr Mann werde nicht beteiligt, weil „der hat selbst genug“, antwortete sie auf die entsprechende Nachfrage – trocken, wie ihr Auftritt insgesamt war.
Mit 86 Jahren ist Jakubowski eine der ältesten weiblichen Kandidatinnen der Showgeschichte und ein Beispiel dafür, wie Unterhaltungssendungen von authentischen Persönlichkeiten profitieren. Ihr Auftritt am Osterabend zeigte zugleich: Nicht nur junge Stars ziehen Zuschauer – auch Lebenserfahrung, Witz und eine Portion Zurückhaltung machen gute TV‑Momente.
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Jonas Reichert ist ein leidenschaftlicher TV-Kritiker, der die neuesten Shows und Serien analysiert. Mit Fachwissen und Humor bringt er seinen Lesern die faszinierende Welt des Fernsehens näher.
