Thomas Gottschalks letzte Show: Ein Fiasko, doch er bleibt eine Legende!

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Von : Larissa Vogler

Diese letzte Show hätte man Thomas Gottschalk ersparen sollen – ein Großer aber bleibt er


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Thomas Gottschalk hätte man diese letzte Sendung ersparen können – dennoch bleibt er eine Legende

Thomas Gottschalk verabschiedete sich in der RTL-Sendung „Denn sie wissen nicht, was passiert“ von der Fernsehbühne. „Es tat mir leid für ihn – er war nicht der Gottschalk, den wir kennen“, äußerte sich Patricia Riekel, ehemalige Chefredakteurin der Bunte.

RTL versuchte Thomas Gottschalk einen angemessenen Abschied von der Showbühne zu bieten. Der Versuch, eine normale Spielshow zu simulieren, scheiterte jedoch kläglich. Am Ende rettete Günther Jauch den Abgang seines alten Freundes.

Um 22:13 Uhr war es vollbracht. Thomas Gottschalk, der unangefochtene König der deutschen Samstagabendunterhaltung, trat erhobenen Hauptes in den TV-Ruhestand. Unsicher, doch ohne fremde Hilfe. Mit einigermaßen festen Schritten. Nach eigenem Empfinden sogar freiwillig: „Das gibt es selten im Fernsehen!“, scherzte er. Mit einem letzten „Danke! Danke sehr!“ murmelnd, stieg Gottschalk die schmale Showtreppe hinauf. Vorbei an seinen Fans, die mit Plakaten („Fernsehgott“, „Legende“) ein letztes Mal Spalier standen. Oben wartete seine Frau Karina, sichtlich erleichtert. Sie hatte ihn an diesem emotional schweren und auch tragischen Abend ins Studio in Köln begleitet und mitgefiebert.

Die letzten 15 Minuten vor seinem Abgang waren jene Minuten, die sehenswert waren. Die Würde hatten. Günther Jauch interviewte – das Studio wurde abgedunkelt, Barbara Schöneberger kauerte in der Nähe – seinen alten Freund und Kollegen zu dem Thema, das alle interessierte: „Thomas, wie geht es Dir?“. Gottschalk: „Mir geht es gut. Mir geht es ausgezeichnet. Ich habe die beste Zeit im Fernsehen erlebt. Ich freue mich nun auf die Rente!“ Er sagte es und bedankte sich dann bei seinem Publikum für die vielen Jahre, die es ihn immer unterstützt hatte.

Der 75-jährige erzählte auch von seiner Krebserkrankung, wie seine Frau ihn fast zwingen musste, zum Arzt zu gehen, von den Operationen an Harnleiter und Blase. Dabei musste auch ein Muskel im Oberschenkel durchtrennt werden, erklärte er, der ihm bis heute Probleme bereite. Gottschalk berichtete jedoch auch, dass die letzten Untersuchungsergebnisse gut waren und er Hoffnung habe, wieder gesund zu werden: „Ich bin ein positiver Mensch.“

In manchen Momenten des Gesprächs, das offen, direkt und ehrlich wirkte, blitzte sogar kurz der alte „Thommy“ auf, der Mann mit Witz und Charme, der immer einen lockeren Spruch parat hatte. Wenigstens ein bisschen.

Alles vor diesem Gespräch aber war an dieser „Show“ eher erschütternd. War das stille Zeugnis eines Verfalls, eines Fast-Erloschen-Seins zumindest des Unterhaltungsschlachtrosses Thomas Gottschalk, wie Millionen Menschen ihn liebten. Jener Mann, den man gefühlt nachts um drei wecken und auf jede Showbühne stellen konnte. Der Mann, der dort im Studio in Köln stand, wusste die meiste Zeit nicht, in welche Kamera er schauen sollte, war nahezu bewegungslos und sogar sprachlos. Thomas Gottschalk war zwar nicht desorientiert wie bei den Bambi- und Romy-Preisverleihungen, jenen Events, die ihn zwangen, seine Krebserkrankung und die damit einhergehenden Medikamente mit ihren Nebenwirkungen zu offenbaren.

Thomas Gottschalk war anwesend, aber bis zu dem Gespräch mit Jauch nicht da.

Für alle, die die Sendung nicht kennen: „Denn sie wissen nicht, was passiert“ ist eine RTL-Samstagabend-Spielshow, eigentlich live, dieses Mal, um Gottschalk vor Eventualitäten zu schützen, leicht zeitversetzt ausgestrahlt.

Gottschalk moderiert sie seit immerhin sieben Jahren weitgehend unauffällig zusammen mit Günther Jauch und Barbara Schöneberger. Die drei teilen sich die Moderation, man könnte es ein wenig böse als eine Art Altersteilzeit betrachten. Immer einer der drei moderiert ein Spiel, die anderen beiden treten gegen ein konkurrierendes Team bestehend aus zwei Prominenten an. Jede Show hatte bisher dabei ein übergreifendes Motto, zuletzt „Las Vegas“ oder „Märchen“. Die Spiele sind harmlos, oft albern, manchmal absurd, so wie man das auch von „Schlag den Raab“ und ähnlichen Formaten kennt.

Die gestrige Sendung nun, die auch für Jauch und Schöneberger die letzte dieser Show war, hatte kein Motto. Es ging um Gottschalk selbst, zumindest bis zu seinem Abgang. Bis dahin ging es um Rückschau, Altern, Abschied.

Das „gegnerische“ Team bildeten mit Jörg Pilawa und Giovanni Zarrella gestandene Samstagabendshow-Moderatoren. Sie mussten im ersten Spiel etwa erraten, ob Gottschalk oder Queen Camilla jünger ist, Gottschalk oder das Ost-Sandmännchen oder Gottschalk die Curry Wurst (Antwort: meist Gottschalk). Dazu nahm die für einen Gottschalk-Abschied offenbar unvermeidliche „Supernase“ Mike Krüger teil (der hatte ihn ja schon bei „Wetten dass..?“ aus dem Studio gefahren). Krüger sang für „Thommy“ direkt vor dessen Abgang an einem Kunst-Lagerfeuer noch seinen Klassiker, aber umgetextet in: „Mein Gott, Thomas!“

Das soll jetzt kein Nachruf werden, dazu ist es – hoffentlich, trotz des aggressiven Krebs – noch viel zu früh. Aber man sollte bitte diesen besonders anfangs tragisch anmutenden RTL-Abend nicht als das letzte in Erinnerung behalten, wenn man sich an den Entertainer Thomas Gottschalk erinnert. Denn der war zu einer echten Teilhabe kaum mehr in der Lage. Sagte zu Beginn fast nichts, machte kaum bei den Spielen mit, weil er offensichtlich nicht mehr konnte, machte nicht einmal mehr seine typischen, dazwischen geworfenen Sprüche.

Als der übergeordnete „Spielleiter“ Thorsten, der die Spiele ansagt und nebenbei immer noch wie ein moderner Heizdeckenverkäufer die Zuschauer dazu animieren muss, für ein RTL-Gewinnspiel anzurufen („100.000 €! SMS mit dem Stichwort: Geld“), irgendwann als Cliffhanger vor der nächsten Werbepause noch damit lockte, später würde Günther Jauch mit Gottschalk darüber reden, wie es ihm ginge …

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Siehe auch  „Ich wollte mich verstecken“: Star enthüllt seine dunkelsten Momente!

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