Tischtennis: Wie es das Gehirn zum Tanzen bringt!

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Von : Larissa Vogler

„Tischtennis ist Tanzen fürs Gehirn“

„Tischtennis ist wie Tanzen für das Gehirn“

PingPongParkinson, kurz PPP, ist ein Teil eines nationalen Netzwerks, das von zwei Betroffenen in Deutschland ins Leben gerufen wurde, inspiriert von dem New Yorker Musiker Nenad Bach, der bemerkte, dass sich seine Parkinsonsymptome durch Tischtennis verbesserten.

Parkinsonpatienten haben eine spezielle Form der Therapie entdeckt: Sie spielen Tischtennis. Unsere Autorin, selbst betroffen von der Krankheit, hat sich ein Training angesehen.

Mittwochabend in Berlin-Reinickendorf. Der „Fuchsbau“, eine frisch fertiggestellte Dreifeldsporthalle, präsentiert sich von außen nüchtern und funktional. Lediglich die große Eingangstür hakt – ein improvisierter Türkeil aus einem Stuhl klemmt zwischen Rahmen und Boden, um ein Öffnen und Schließen zu ermöglichen. Das ist Berlin pur!

Im Inneren erwacht das Leben. Die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen an, schleppen ihre Sporttaschen, klappen Tischtennisplatten auf. Die Rollen knattern über den Boden, Netze werden gespannt, irgendwo quietscht ein Turnschuh, jemand atmet kurz durch. Neonröhren tauchen die Halle in ein kühles Licht, das nichts verbirgt. Es gibt Begrüßungen, ein kurzes Lächeln. Manchmal zögerlich, manchmal strahlend wie beim Wiedersehen alter Freunde. Es ist Zeit für Pingpong – für uns alle zählt jetzt nur das Spiel.

Wir, das sind 20 Frauen und Männer, alle mit derselben Diagnose: Parkinson. Eine Krankheit, die man eher mit zitternden Händen alter Männer assoziiert als mit sportlichen 40- bis 60-Jährigen, die ihre Schläger auspacken und Bälle zurechtlegen. Die Atmosphäre ist jedoch nicht von Krankheit geprägt, nicht von Resignation oder Selbstmitleid. Stattdessen herrscht eine stille Entschlossenheit, eine Energie, die aus der Gemeinschaft kommt. Bewegung, Konzentration, Lachen.

PingPongParkinson – kurz PPP – ist ein weltweites Netzwerk, das 2017 von dem Musiker Nenad Bach in New York ins Leben gerufen wurde. Der deutsche Zweig der Bewegung wurde 2020 von zwei betroffenen Spielern gegründet. Die Parkinson-Symptome des Initiators Bach haben sich durch Tischtennis deutlich gebessert. Die Forschung bestätigt die Erfahrungen des 71-Jährigen. Demnach ist Pingpong eine spielerische Therapie, die Motorik, Gleichgewicht und kognitive Fähigkeiten stärkt, da sie schnelle Reflexe, geschmeidige Koordination und strategisches Denken miteinander verknüpft. Zudem regt das dynamische Training auf sanfte, aber effektive Weise die Dopaminproduktion an – genau dort, wo Parkinson sie am meisten benötigt.

In Deutschland gibt es bereits über 200 Trainingsgruppen von PPP, darunter 18 in Berlin. Die Gruppe in Reinickendorf wurde 2023 auf Initiative von Wolfgang Hoelscher-Obermaier in Kooperation mit dem Turn- und Sportverein Füchse, bekannt durch seine erfolgreiche Handballmannschaft, ins Leben gerufen. Einmal wöchentlich bietet die Tischtennisabteilung ein angeleitetes Training an.

Das Aufwärmen beginnt im großen Kreis. Trainerin Nora Pastor steht in der Mitte und animiert zu Schulterkreisen, Knieheben, Armrotationen und Gleichgewichtsübungen auf einem Bein. Jeder darf eine Übung vormachen, die dann von der Gruppe übernommen wird. Dabei wird sichtbar, wie unterschiedlich die Körper auf diese Impulse reagieren – manche kraftvoll, andere nur mit Mühe. Ein Mosaik der Degeneration: 20 Menschen, 20 Stadien einer Krankheit, und doch bewegen sich alle gemeinsam.

Nach dem Aufwärmritual wird gesungen. Michael Busch feiert seinen 48. Geburtstag. Es klingt nicht ganz einstimmig, aber herzlich. Das Geburtstagskind lächelt, seine Mimik ist leicht verzögert. Man versteht ihn nicht immer gut, bei ihm beginnt bereits das charakteristische Nuscheln der „Parkis”. Als es an die Verteilung der Tische geht, läuft er mit Marcus Heithecker (einem Redakteur bei WELT, Anm. d. Red.) schnurstracks zum ersten Tisch. Sie legen los, was das Zeug hält. Die beiden scheinen eingespielt zu sein.

Doch plötzlich bleibt Busch stehen. Die sogenannte Off-Phase tritt ein – sein Körper macht dicht. Ruhig setzt er sich auf den Hallenboden, wartet, bis die Medikamente wieder wirken. Niemand kommentiert das. Viele kennen diesen Moment. Er geht in die Hocke und beugt sich langsam vornüber. Er balanciert seine Ellbogen auf den Knien und schafft es in eine saubere Yogahaltung, die Krähe. „Ich mache das manchmal, wenn ich gut drauf bin und aus der Off-Phase rauskomme“, sagt er. Seine Bewegungen sind langsam und konzentriert.

Und dann erzählt er. „Weißt du“, sagt er, „ich habe durch das Parkinson nicht nur verloren. Ich habe auch etwas gewonnen.“ Er habe eine gewisse Gelassenheit entwickelt. Er lebe bewusster – und irgendwie auch zufriedener. Große Worte von jemandem, der durch seine Krankheit gerade mal wieder an seine Grenzen gestoßen ist. Wer Michael Busch zuhört, spürt, dass es keine Floskeln sind. „Ich verschwende keine Energie mehr auf Dinge, die mich nicht glücklich machen“, sagt er. „Ich weiß jetzt, was wirklich zählt.“

Bernd Seyerlein, der die Gruppe mit aufgebaut hat, spielt heute mit Nadja Wiesner. Sie ist zum ersten Mal da. Eine drahtige Erscheinung mit lang geflochtenem Zopf. Sie arbeitet als Physiotherapeutin, gibt Aerobic-Kurse, kennt den Körper wie ihr Handwerk. Doch ihre Haltung wirkt steif, ihr Blick zurückhaltend, geradezu resigniert. Seit ihrer Diagnose im Oktober 2024 hat sie sich zurückgezogen. Sie sei, wie sie sagt, in ein Loch gefallen. Aber Seyerlein habe nicht lockergelassen und ihr immer wieder geschrieben, dass sie doch teilnehmen sollte. Heute ist sie da. Ihre Freundin begleitet sie, spielt mit, ist ganz bei ihr.

Als sie fertig sind, spreche ich Nadja Wiesner an, löchere sie mit Fragen, vielleicht sind es ein paar zu viele. Sie antwortet knapp, offen, ohne Pathos. Dann gibt es auf einmal einen Moment, in dem wir uns umarmen. Keine große Geste, einfach menschliche Nähe. Wir wischen ein paar Tränen weg und kommen wieder ins Reden – über die Diagnose und über die ersten Tage danach. Plötzlich bemerken wir überraschende Überschneidungen: dieselbe Ärztin, dieselben Worte, nur mit acht Jahren Verschiebung. Ich berichte, wie ich damals wahrnahm, dass der Blick der Ärztin nicht ganz zu der nüchternen Art passte, mit der sie sprach. Dass er besorgt war. Meine Gesprächspartnerin nickt. „Genau das“, sagt sie. Für einen Augenblick ist alles gleichzeitig fern und sehr nah. Wir lachen, weil es so absurd ist. Irgendwie auch tröstlich. Zwei Leben, die sich zufällig kreuzten und uns zu „Parki-Schwestern“ machen.

Caspar von Wedel kommt etwas zu spät,

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