König Haralds Trauerzug: erst im Tod wird er mit Norwegens Krone eins

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Von : Elina Kreuzer

Königliche Krone mit Edelsteinen auf einem feierlichen Sarg in einer Kapelle

König Harald V. trug während seiner 35-jährigen Amtszeit nie die königlichen Insignien – doch bei seinem Tod rücken sie in den Mittelpunkt. Die Zeremonie um die alten Regalien zeigt, wie eng norwegische Identität, Geschichte und Repräsentation noch immer verknüpft sind.

Die Wurzeln der norwegischen Kroninsignien reichen weit zurück: Bereits 1163 erhielt Magnus Erlingsson bei seiner Krönung zwischen Fjorden und Felsen die ersten sichtbaren Symbole der Herrschaft, darunter Krone und Schwert. Nach der Reformation 1537 verschwanden die ursprünglichen Stücke aus dem Land, und während der langen Union mit Dänemark nutzte man dänische Insignien.

Wie die heutige Ausstattung entstand

Als Norwegen 1814 seine staatliche Eigenständigkeit wiedererlangte, gab es kein eigenes Set an Regalien. König Carl Johan – zuvor Jean‑Baptiste Bernadotte – ließ 1818 eine vollständige Ausstattung anfertigen und zahlte die Kosten privat. Die Krone, gefertigt aus etwa 20‑karätigem Gold und knapp 1,5 Kilogramm schwer, enthält zahlreiche Edelsteine; ihr reiner Materialwert liegt nach aktuellen Kursen im mittleren fünfstelligen Bereich.

Historische Goldkrone mit Edelsteinen und kunstvollen Details
Die norwegische Krone aus 20-karätigem Gold wiegt etwa 1,5 Kilogramm und enthält zahlreiche Edelsteine wie Amethyste, Granate und Saphire.

Die Dekorationen sind auffällig vielfältig: Amethyste formen ein zentrales Kreuz, ein großer grüner Turmalin dominiert die Vorderseite – Berichten zufolge ein Geschenk eines brasilianischen Konsuls – dazu kommen Granate, Opale, Saphire, Smaragde und weitere Steine. Innenpolsterung und Samthaube sind ebenfalls kunstvoll gearbeitet und mit Perlen bestückt.

Die Regalien in der Trauerprozession

Seit die norwegische Verfassungskommission 1908 die Krönungspflicht aus dem Grundgesetz strich, werden die Insignien nicht mehr bei der Thronbesteigung getragen. In der Praxis bedeutet das: Die Symbole des Königs spielen vor allem bei Tod und Trauer eine zentrale Rolle.

Feierliche Trauerprozession mit historischen Insignien und Krönungsmäntel
Bei der Bestattung König Haralds wurden die Regalien in einer Prozession durch das Schloss getragen und auf den Sarg gelegt.

Bei der Aufbahrung begleiten die Stücke den Verstorbenen. Laut Angaben des Königshauses werden die Regalien zunächst in einer Prozession durch das Schloss getragen; anschließend legt man Krone und Reichsschwert auf den Sarg. Bei Haralds Bestattung führten König Haakon und der Leiter des königlichen Sekretariats die Zeremonie mit genau diesen Ritualelementen an; die Gegenstände waren zuvor aus der Erzbischöflichen Residenz in Trondheim nach Oslo gebracht worden.

  • Krone: Goldkrone mit zahlreichen Edelsteinen und purpurfarbener Samthaube.
  • Reichsschwert: Nicht neu angefertigt 1818 – es geht auf ein persönliches Schwert Carl Johans zurück, das ihm Napoleon 1804 übergeben haben soll.
  • Reichsapfel (Orbis): Symbol für weltliche Macht und Einheit.
  • Zepter: Herrschaftssymbol, traditionell bei Zeremonien präsent.
  • Weitere Stücke: Salbungshorn, Krönungsmäntel und das Reichsbanner.

Die Geschichte des Schwerts ist bemerkenswert: Bernadotte, der spätere König Carl Johan, soll das Schwert von Napoleon erhalten haben und es später in Feldzügen gegen das französische Kaiserreich — etwa bei der Völkerschlacht von Leipzig 1813 — getragen haben. Diese persönliche Vorgeschichte macht das Schwert zu einem Stück mit ungewöhnlicher Biografie.

Was das für Norwegen bedeutet

Die öffentliche Präsenz der Regalien bei der Bestattung unterstreicht ihre doppelte Funktion: Sie sind sowohl historische Objekte als auch moderne Repräsentationsmittel. Für die Bevölkerung wecken sie Erinnerungen an Etappen der Nationengeschichte; für Kuratoren und Sicherheitsverantwortliche stellen sie wertvolle Kulturgüter dar, die konservatorische und logistische Maßnahmen erfordern.

Gleichzeitig bleibt die Situation ein Sinnbild des heutigen Verhältnisses zwischen Monarchie und Verfassung: Die Krone ist kein Akt der Machtübernahme mehr, sondern ein Symbol, das bei Abschied und Erinnerung eine zentrale Rolle spielt.

Laut Angaben des norwegischen Königshauses sowie historischen Archiven und Parlamentsakten stammen die hier geschilderten Details zur Entstehung und Verwendung der Regalien aus offiziellen Mitteilungen und historischen Untersuchungen; Bewertungen zur aktuellen Bedeutung basieren auf der Zeremonialpraxis nach dem Tod des Monarchen.

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