Dschungelcamp, der zwölfte Tag – „Wow, Lilly. Eine Maschine!“
Am zwölften Tag im Dschungelcamp erreichen die Rivalitäten einen neuen Höhepunkt. Maurice, der Jammerlöwe, legt sich mit dem Camp-Schönling Timur an, während Wortakrobat Pierre mit den Wächtern der politischen Korrektheit aneinandergerät. Lilly Becker lässt sich von dem ganzen Trubel nicht beeindrucken, zieht sich in ihre „Lillywelt“ zurück und sorgt für den „Rülpser des Jahrhunderts“.
Sonja Zietlow befürchtete gleich zu Anfang der Show, die inzwischen volljährig geworden ist, einen „Niveau-Alarm im Dschungel“. Die Sorge um den Ruf ist nachvollziehbar, denn was würde es für das Image von RTL bedeuten, wenn „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, das jährliche Großereignis des Trash-TVs, plötzlich mit gehobenen Begriffen in Verbindung gebracht würde.
Mangelnde Köpfchen. Doch die Sorge der Moderatorin bleibt bestehen, solange Pierre, dessen Nachnamen niemand behalten kann, im Camp ist. Pierre Sanoussi-Bliss, der Schauspieler, kämpft weiterhin mutig gegen die Political-Correctness-Brigaden. Diese fordern weiterhin seinen Kniefall für seinen Spruch über die „dummen Damen“ und „herrlichen Herren“ von Tag elf. Trotz der wiederholten Entsetzensbekundungen von Anna-Carina, Alessia oder Timur über die unglaubliche Frauenfeindlichkeit, und trotz der verständnisvollen Mediation durch Jörg, der behauptet, dies bedrohe die ganze Gruppendynamik, lächelt Pierre nur mild. Er kontert die Vorwürfe des ehemaligen Sportmoderators und der angehenden Sprachpolizisten im Camp eiskalt: „Team? – Jörg, bitte. Wir sind Konkurrenten.“ Und an die Adresse seiner Kritiker: „Ironie setzt auch ein gewisses Maß an Intelligenz beim Empfänger voraus.“ Für die scheint zu gelten, was der große Wiglaf Droste einst formulierte: „Es reicht einfach nicht, kopfmäßig“.
Heute kein König. Es gibt, um Sonja Zietlow zu beruhigen, auch im nun erwachsenen Dschungelcamp hauptsächlich „Gefühl“, nicht nur bei der stereotypen Kölnerin Alessia („Ah, mir ist das alles zu dumm hier.“), sondern auch bei Maurice. Er ist kein Löwe, so oft er das auch in Selbstgesprächen behauptet. Kein König des Dschungels, kein „He-Man“, sondern heute nur ein jämmerliches „Bettelcat“. Die Tatsache, dass er am elften Tag (niemand musste gehen, die Anrufe zählen für Tag zwölf) die zweitwenigsten Anrufe bekam (nach Edith) und sich nun akut von der Auswilderung bedroht sah, führte bei ihm nicht zu Gebrüll, sondern zu einer großen Jammerarie. Lilly Becker: „Wo ist der Löwe? Ich sehe ihn nicht. Komm schon!“ Er sollte anfangen, sich zu wehren. „Auf geht’s!“, ruft die echte Löwin im Camp zu Mimimi-Maurice: „Das Einzige, was sicher ist im Leben – das ist die Steuer und der Tod.“ Wer wüsste das besser als eine Becker. Maurice, die Psyche eines Reality-TV-Stars nach außen kehrend: „Mann, das ist mein absoluter Traum hier. Ich bin nicht zum Spaß hier. Ich habe mir immer vorgestellt, wie ich am Ende über die Hängebrücke gehe, das Feuerwerk im Himmel.“ – Schluchz – „Aber anscheinend reicht es nicht.“ Der Vorhang des Selbstmitleids will sich einfach nicht schließen.
Was gab es zu essen? Reis, Bohnen, selbstverständlich, dazu „ein Strauß Hibiskus-Blätter, Okraschoten, Tellerkraut, Jamaica-Kirschen und zwei Bärenkrebse“, wie Anna-Carina brav vorliest. Eine Herausforderung für Edith Stehfest, deren Regiment am Kochtopf jeglichen Widerstand hat zusammenfallen lassen. Nur Sam, der letzte unter den aufrechten Edith-Gegnern, macht gelegentlich noch eine Bemerkung: „Ich verstehe nicht, wie man Reis jedes Mal so verhunzen kann.“ Die Krebse jedoch finden alle „lecker“. Timur servierte sie ohne Hemd, der GZSZ-Schauspieler kann es sich leisten. Sam: „Nackter Oberkörper. Das machen die so in Restaurants, die davon ablenken wollen, wie schlecht das Essen ist.“
Club der taffen Tanten: Lilly hat genug davon, sich auf andere zu verlassen und möchte selbst in die Dschungelprüfung. Auch Edith will teilnehmen, steht sie doch auf dem letzten Platz und möchte das Publikum noch umstimmen. Beide hatten sich zuvor bereits verbündet („Ich finde Lilly so eine coole Tante.“). Der Plan funktioniert. Allgemeine Euphorie im Lager. Pierre ist sich – wie alle – sicher: „Das gibt Sterne!“ Sagen wir es so: Es gab mehr Sterne als in jeder anderen möglichen Konstellation.
Die Prüfung trug den Namen „Dinieren oder Blamieren“ – IBES setzt seinen Running Gag mit der RTL-Verpflichtung von Stefan Raab fort (und natürlich auch von „Praktikant“ Elton). Was harmlos klang, entpuppte sich jedoch als die bisher härteste Prüfung dieser Staffel. Neun Fragen müssen Lilly und Edith beantworten, neun Runden „Essen“ stehen ihnen bevor. Natürlich das ekelhafteste Essen, das man sich vorstellen kann. Wer schneller auf den „Buzzer“ drückt und richtig antwortet, muss nur eine halbe Portion essen, die andere eine ganze. 60 Sekunden Zeit pro Gang, jeweils einen halben Stern pro Kandidatin. Die Sterne gibt es allerdings nur, wenn das Essen vollständig und rechtzeitig heruntergeschluckt wird.
Die Quizfragen reichten von „Wie heißt die Hauptstadt von Australien?“ (Canberra) über „Wie heißt Pierre korrekt mit Nachnamen?“ (siehe oben) bis – kein Scherz – „Wie heißt der jüngste Sohn von Boris Becker?“ Edith drückte, bevor die Frage zu Ende gestellt war, auf den Buzzer. Sie wusste auch, dass Lillys Sohn Amadeus heißt. Aber das war nicht die Antwort. Die ganze Frage hätte nämlich gelautet: „Nach welchem Komponisten ist der Sohn benannt?“ (Mozart). So weit, so halbwegs egal. Wichtiger waren die neun Gänge des „Dinners“: Saudarm, australischer Sandwurm, Ziegenanus, Schafsbockhoden, Rinderhirn, Krokodilherz, Lammmagen, Schweinezunge und – eine absolute Premiere im Dschungelcamp: Büffelvagina.
Das große Rülpsen. Die ersten beiden Gänge – Saudarm-Spieß und australische Sandwürmer – meisterten beide aus dem „Club der taffen Tanten“ (zwei Sterne). In Runde drei zog dann Lilly davon. Während sie den Ziegenanus herunterschluckte, blieb er bei Edith im Hals stecken. Halber Stern. Und so ging es weiter, beide gaben sich nichts, probierten jeden Gang, ein einziges Sprotzen, Würgen, Spucken, Rülpsen. „Ich kann nicht, mein Körper macht zu“, entschuldigte sich Edith, während Lilly auch den Schafsbockhoden, die Hände auf den Ohren, der Blick starr, irgendwie hinunterschluckte. Edith: „Wie schaffst Du das nur?“ – Lilly: „Ich bin dann in meiner Lillywelt“. Am Ende hatten die beiden vier Sterne und den ganzen Respekt von Jan Köppen und Sonja Zietlow. „Wow, Lilly. Eine Maschine!“ – „Riesenkompliment!“ Lilly antwortete mit einem infernalischen „Rülpser des Jahrhunderts“ (Zietlow).
War noch was? Erstens: Eine angesichts des Schwierigkeitsgrades der Dschungelprüfung wieder einmal umso lächerlicher wirkende „Schatzsuche“. Alessia und Timur mussten eine Dschungel-Variante des Partyspiels „Bierpong“ spielen, nichts Wildes, machten sie auch weitgehend erfolgreich und diesmal auch ohne allzu viel Show. Beide erwarfen und fingen Kugeln für drei von vier möglichen Schlüsseln. Der Erste passte gleich ins Schloss der Schatzkiste. Es gab Chips.
Zweitens: Maurice und Timur lieferten sich noch ein Drama auf sehr niedrigem Trash-TV-Niveau, das aber einiges über „die Denke“ der beiden und die Mechanismen im Reality-TV verriet. Also: Maurice versuchte sich wortreich doch noch in ein Raubtier zu verwandeln, das sich gegen den Rauswurf stemmt, redete dabei aber vor allem über seine Angst. Timur, der das hörte, verglich die Situation – tatsächlich sehr krude – mit seiner eigenen, als er erfuhr, dass das Baby im Bauch seiner Frau womöglich blind auf die Welt käme. Das wertete Maurice wiederum messerscharf als Versuch des „Kollegen“, sich auf Kosten seiner eigenen Sendezeit zu profilieren. Maurice: „Ich hasse das wie die Pest!“ Im Laufe der mäßig interessanten Auseinandersetzung fallen dann noch die Bezeichnungen „kalkuliert“, „berechnend“, „scheinheilig“ für den GZSZ-Darsteller (soll keiner sagen, dass der Wortschatz der Miezekatze klein sei). Antwort Timur: „Isch schwör auf meine Mutter: Wenn ich etwas anderes wollte als dich aufzubauen – dann soll ich sterben!“ Soll er bitte nicht. Maurice, am Ende: „Ich bin nicht der Schlauste und weiß vielleicht nicht, wer Pistorius ist.“ Wohl gesetzte Pause. „Aber Menschenkenntnis kann ich!“.
Wer musste gehen: Der Dschungel hängt dieses Jahr nicht voller Geigen, aber Überraschungen. Die zusammengezählten Anrufe von Tag elf und zwölf sorgten doch noch dafür, dass weder Edith (gestern in der Pole-Position) noch Maurice (Platz 2) rausgewählt wurden. In die Endauswahl kamen mit jeweils einem „vielleicht“: Anna-Carina und Sam. Gehen musste – Trommelwirbel – Sam.
Was heißt das: Dass erstens – unverdient – das Gejammer des Löwen gefruchtet hat und der taffe Tantenfight – verdient – sich für Edith auszahlte. Zweitens bleibt es weiter ein Rätsel, womit Timur in den Augen des Publikums punktet. Außer dem Aussehen? Und drittens scheint Schlagersängerin Anna-Carina tatsächlich über eine stabile Fanbase zu verfügen. Denn obwohl sie bei ihrer Prüfung mit Pierre keine gute Figur abgegeben hatte und an Tag zwölf kaum stattfand außerhalb des „dämlichen“ Streits um Pierres Witz – sie blieb drin. Genügt es für sie wirklich, sich am Ende des Tages ins Dschungeltelefon zu setzen und in die Kamera zu rufen: „Sorgt dafür, dass wir die Dschungelkrone in die Schlagerwelt holen“?
Heute geht es weiter um 20.15 Uhr auf RTL und RTL+
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
