„Die furchtbare“ Meghan reagiert mit Liebe
Die neue Dokumentation von Herzogin Meghan wird nun weltweit ausgestrahlt. In acht Episoden erfährt man mehr über die Frau, die nicht nur in England für Empörung sorgt, sondern auch von Präsident Trump als „furchtbar“ bezeichnet wurde.
Zunächst einmal zur wichtigsten Information: Ja, Prinz Harry ist in der Dokumentation dabei, allerdings tritt er erst in der letzten Episode von „With Love, Meghan“ auf. In der 31. Minute der jeweils 35-minütigen Episoden erscheint er auf einer sonnigen Wiese und nimmt an einer „Brunch Party“ teil, die Meghan für „ein paar Freunde“ und ihre Koch- und Dekorationsdokumentation organisiert hat.
Er geht über den akkurat englischen Rasen, erhält von Meghan ein Glas Champagner („Some bubbles?“), bedankt sich höflich und prostet gemeinsam mit den anderen auf den Erfolg seiner Frau an. Meghan dankt den Anwesenden, dass sie ihr beim Aufbau eines „neuen Geschäfts“ geholfen haben. Am Ende umarmt Harry Meghan herzlich: „Du hast großartige Arbeit geleistet.“ Und dann: „Ich liebe dich!“
Mit einer Verzögerung von fast zwei Monaten, hervorgerufen durch verheerende Brände in Kalifornien, wurde Meghans Koch- und Gastgebershow am 4. März um 9 Uhr morgens freigeschaltet. Die Umweltkatastrophe in ihrer und Harrys Heimat verzögerte den Versuch des Paares, endlich wieder „Content“ für die Millionen zu liefern, die der Vertrag ihnen einbringt.
Es ist auch Meghans Versuch, in ihrer Heimat und möglicherweise auch im Vereinigten Königreich sowie weltweit ihr Image zu verbessern. Dieses ist bekanntlich stark beschädigt. Als sie Brandopfern halfen, wurden sie in sozialen Medien als „Katastrophentouristen“ beschimpft, während Donald Trump etwa zur gleichen Zeit Harry öffentlich sein Beileid wegen seiner Frau aussprach, die er als „eine schreckliche Person“ bezeichnete.
Die Missgunst, die Meghan umgibt, war auch vor der Veröffentlichung der Dokumentation spürbar. Britische Königshausexperten ließen bereits im Vorfeld kein gutes Haar an der Doku – ohne sie überhaupt gesehen zu haben. Berichten zufolge, so behauptete „Page Six“ unter Berufung auf „Fans“, sei die Dokumentation Szene für Szene eine Kopie von Pamela Andersons Kochshow, obwohl diese erst Ende Februar Premiere hatte und Meghans ursprünglich Anfang Januar gestartet war.
Wie präsentiert sich die Serie?
Die Serie ist künstlich, übertrieben und damit auch wieder sehr interessant, so wie die Figur Meghan von Sussex selbst (in der zweiten Episode erklärt sie der Schauspielerin Mindy Kaling, dass Sussex nun ihr Familienname sei und sie nicht mehr Markle genannt werden möchte). Die acht 35-minütigen Episoden sind teilweise tödlich langweilig, da Meghan Markle keine sensationelle Köchin ist, die in dieser als Kochshow getarnten Personalityshow irgendwelche bahnbrechenden Tipps geben könnte. Dennoch gibt es einige nützliche Tipps für Nicht-Profis, wie etwa Fleisch und Fisch nicht zu kalt auf den Grill zu legen.
Versuche, „normal“ zu wirken, scheitern natürlich, zum Beispiel wenn sie mit der „Freundin“ (eher eine E-Mail-Bekanntschaft) Mindy Kaling einen „Mock-up-Kindergeburtstag“ simuliert und betont, dass all die liebevoll vorbereiteten kleinen Dinge auch günstig zu machen sind. Doch Mindy gibt zu, dass sie jemanden engagiert, der ihre Kindergeburtstage professionell organisiert. Und wer hat schon ausschließlich Freunde, deren Berufsbezeichnung „Founder“, „Philanthropist“ oder „Entrepreneur“ lautet?
Schön künstlich, alles. Was an der Serie (und auch an Meghan) charmant ist, ist die offene Darstellung, dass all diese Treffen mit Freunden und das Showkochen und Dekorieren nicht annähernd authentisch sind. Gleich in der ersten Episode macht Meghan jedem Zuschauer klar, dass das entzückende kleine Holzhaus mit perfektem Gemüse- und Blumengarten sowie die super saubere und perfekt ausgestattete Küche im modernen Landhausstil nicht ihr eigenes Zuhause sind. Sie kocht immer in makellos weißen Hemden, ohne einen Fleck zu bekommen, und sagt selbst, dass sie nicht die Zeit hat, den ganzen Tag in einer Küche zu stehen. Dass alles inszeniert ist, wird auch dadurch thematisiert, dass das Kamerateam vor dem Küchenblock, der das Zentrum der Action ist, angesprochen oder gezeigt wird (etwa wenn Meghan auch dem Regisseur einen Kaffee macht, „Gastfreundschaft hört nicht bei einer Person auf“).
Wie ist die Serie aufgebaut? Jede Episode hat ein Thema und einen oder mehrere Gäste, entweder Freunde oder Köche. Einmal ist es der in L.A. berühmte Koch Roy Choi, der mit ihr „Korean Fried Chicken“ zubereitet, ein anderes Mal ist es die Argentinierin Delfina Figueras, deren Mann und Söhne Polo-Spieler sind (wie Harry). Mit ihr unternimmt Meghan eine Wanderung, bereitet dafür „Sonnentee“ mit Kräutern aus „ihrem“ Garten zu und backt Focaccia sowie Erdnussbutter-Hundekuchen für Guy, den alten Beagle, und Pula, den schwarzen Labrador.
Was lernen wir über Meghan (und Harry und die Kinder): Britische Royalisten und Boulevardjournalisten erhalten zwar nicht das volle Bild, aber doch hin und wieder Halbsätze, die sie sicherlich in der Zukunft nutzen können. Wir erfahren zum Beispiel, dass Harry und die Kinder Bacon zum Frühstück lieben, dass Harry zu den Männern gehört, die immer erst einmal zum Salzstreuer greifen, bevor sie ein Gericht probieren – weshalb Meghan immer eher weniger salzt. Meghan liebt Ordnung, putzt zwischendurch die Küche und macht auch in Hotels, bevor sie das Zimmer verlässt, noch das Bett. Sie liebt es außerdem, sich „High-Low“ zu kleiden; einmal trägt sie zu einer weißen Hose von Zara (günstig) ein kurzärmeliges beigefarbenes Strickoberteil von Loro Piana (teuer) und über die Schulter geworfen einen Pullover von Jenni Kayne (mittel).
Wahrster Satz: „Dies ist nicht mein Haus. Daniel übernachtet auch nicht hier, sondern bei uns. Aber ich bereite alles so vor, wie ich es zu Hause täte.“
Worum geht es im Leben und der Serie: Meghan: „Es geht immer darum, etwas bewusst zu tun, es mit jemandem, den man liebt oder für jemanden, den man liebt, zu tun.“
Und worum geht es wirklich: ums Geschäft. Da Meghan darauf am Ende auch einen Toast ausspricht, ist das auch völlig okay.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
