Freaks sind immer die geringste Gefahr
Tragen Sie in Deutschland eine gelb-schwarz gestreifte Hose kombiniert mit einer Western-Jacke und einer Krawatte, ziehen Sie garantiert einige Blicke auf sich. Ein Erlebnis im Zugbistro und ein spießiger Kommentar brachten mich zu der Erkenntnis, dass das eigentliche Problem nicht die ländliche Gegend ist.
Auf der Heimfahrt von einem langen Tag voller Interviews zum Thema Psychosen, bemerkte ich auf dem kleinen Bahnhof in Brandenburg, dass die Atmosphäre im Zug anders war als üblich. Überall waren merkwürdige Geräusche und eigenartige, verworrene Gespräche zu hören. Ein Mann, der sich mir gegenüber setzte, roch stark nach dem alten Hasch-Rausch in einem Jugendzimmer aus dem Jahr 2006.
In Jüterborg, wo ich umsteigen musste, bot der Bahnhofskiosk Energy-Drinks und E-Zigaretten-Flüssigkeiten an. Die dortigen Biertrinker sahen mich verwundert an, als ich nach dem richtigen Gleis fragte. Mein Outfit bestand aus einer gelb-schwarz gestreiften Hose und einer gelben Western-Jacke mit schwarzer Stickerei, die ich in Memphis gekauft hatte, dazu ein Hemd und eine Krawatte.
Im ICE nach Lutherstadt Wittenberg bestellte ich einen schwarzen Reissalat mit Edamame, Erdnüssen und Bambusstreifen sowie eine Apfelschorle. Der Salat schmeckte, als wäre er in Klostein fermentiert. Neben mir saß ein typischer Geschäftsreisender: Halbglatze, Dreitagebart, kariertes Hemd und dazu dunkelblaue Kleidung, ein Laptop mit externer Maus und ein Gaming-Headset auf dem Kopf. Er starrte mich an und fragte: „Ist heute Fasching?“
Diesen oder ähnliche Sätze hörte ich schon öfter. Manchmal amüsierten sie mich, manchmal konnte ich sie nachvollziehen, insbesondere wenn eine Gruppe betrunkener Jugendlicher sie aussprach. Aber von diesem spießigen Mann fand ich die Frage etwas zu dreist.
Diktatur der Angepassten
Es war weder spät am Abend noch war der Mann betrunken. Ich trug auch keine übertriebenen Accessoires wie eine Federboa oder einen riesigen Sombrero. Ich entgegnete ihm: „Schrecken und Terror entstehen immer aus der Norm. Freaks sind immer die geringste Gefahr.“
Ich realisierte, dass meine Worte ihn getroffen hatten. Er fixierte nun extra intensiv seinen Bildschirm. Mir tat es leid. Ich wollte nicht, dass er sich schlecht fühlte, und entschuldigte mich nach einer Stunde: „Bitte verzeihen Sie, ich hatte einen langen Tag.“ Er erwiderte jedoch: „Aber Sie müssen zugeben, dass Ihre Kleidung provokant ist.“ „Nein“, sagte ich.
Als ich in Erlangen aus dem Zug stieg und über das Erlebte nachdachte, las ich eine Nachricht über den amtierenden Bundeskanzler Olaf Scholz, der einen schwarzen CDU-Politiker als Hofnarren und Feigenblatt bezeichnet hatte. Ich dachte darüber nach, dass nicht die Provinzialität das Problem in Deutschland ist, sondern der allgemeine Geist der Menschen bis hinauf ins Kanzleramt. In dieser Diktatur der Angepassten wird Deutschland zum Land der Blockwarte.
Unser Autor Frédéric Schwilden berichtet in seinen „Notizen aus der Provinz“ regelmäßig über das Leben dort – vom Kürbisfest in Muggendorf bis zur Kartoffel-Döner-Bratwurst in Schleswig-Holstein.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
