Anke Engelke als Scheinarzt: versorgt schwerkranken Mafia-Boss

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Von : Jonas Reichert

Schock

                    Anke Engelke in ungewohnter Rolle: Arzt ohne Zulassung behandelt kranken Mafioso

Ein Mediziner ohne Zulassung, ein todkranker Clanchef und eine Anwältin, die bereit ist, hohe Summen zu zahlen: In dem Thriller „Schock“ wird die Grenze zwischen Fürsorge und Verstrickung zur tödlichen Falle. Die Free‑TV‑Premiere auf ARTE macht den Film zur aktuellen Debatte über illegale Gesundheitsversorgung und die moralischen Dilemmata in kriminellen Milieus.

Denis Moschitto spielt Bruno, einen ehemaligen Arzt, der nach dem Verlust seiner Approbation nicht mehr auf regulärem Weg behandeln darf. Stattdessen versorgt er Menschen am Rand der Gesellschaft — bis ihn eines Tages ein Angebot erreicht, das er nicht ablehnen kann: Die Anwältin Kreber, dargestellt von Anke Engelke, überbringt ein lukratives Honorar, damit Bruno einem an Leukämie leidenden Mafioso hilft.

Ein riskanter Behandlungsversuch

Die Behandlung entpuppt sich schnell als gefährliches Unterfangen. Das dringend benötigte Antikörperserum, das Bruno über einen Apothekerkontakte beschafft, ist wirkungslos — offenbar Opfer eines Betrugs. Aus dieser Schwäche ziehen kriminelle Zwischenhändler Profit und setzen den verzweifelten Arzt unter Druck.

Die Zuspitzung entsteht weniger durch Zufall als durch Kausalketten: finanzielle Nöte, fehlende Legitimierung und die Abhängigkeit von zweifelhaften Lieferketten treiben Bruno in immer riskantere Kompromisse. Regisseur Denis Moschitto, der zusammen mit Daniel Rakete Siegel auch das Drehbuch schrieb, inszeniert diese Abwärtsspirale mit bedrückender Präzision.

Familienkonflikt und Loyalitätsfragen

Parallel zu den medizinischen Problemen kocht ein persönlicher Konflikt hoch: Brunos Schwager Giuli, gespielt von Fahri Yardim — der neben seiner Schauspielrolle auch als Produzent fungierte —, gehört ebenfalls zur italienischen Unterwelt und sieht es gar nicht gern, dass ein Verwandter den Gegner am Leben erhält. Damit gerät Bruno zwischen rivalisierende Gruppen und bringt nicht nur sich, sondern auch seine Angehörigen in Gefahr.

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Der Film zeigt, wie Loyalität in solchen Kreisen oft auf einem schmalen Grat balanciert: Schutz kann sich schnell in Bedrohung verwandeln.

Die Erzählung setzt weniger auf spektakuläre Actionsequenzen als auf psychologischen Druck und die schrittweise Eskalation von Drohungen, Erpressung und moralischen Dilemmata.

Warum der Film jetzt relevant ist

„Schock“ behandelt Themen, die über die Leinwand hinaus Relevanz haben: Zugang zu medizinischer Versorgung, die Risiken illegaler Arzneimittel und die Frage, wie gesellschaftliche Außenseiter versorgt werden — und wer die Verantwortung trägt, wenn der reguläre Weg versperrt ist. Solche Fragen sind aktuell, weil sie ethische Konflikte beleuchten, die im Alltag kaum sichtbar sind.

Kritisch ist zudem die Darstellung von Machtstrukturen innerhalb krimineller Netzwerke, die medizinische Hilfe zur Verhandlungsbasis machen können.

Wer den Film verpasst hat, kann ihn auch in der ARTE‑Mediathek nachträglich sehen.

Schock – So., 07.06., ARTE: 00.15 Uhr

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