Drehbuchseiten am Strand: rätselhafter Fund wirft Fragen zum Todesfall auf

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Von : Jonas Reichert

"Tod eines Mädchens"

                    Raschelnde Drehbuchseiten vor Meer

Heute Abend wiederholt 3sat den zweiteiligen ZDF-Krimi „Tod eines Mädchens“ und eröffnet damit den diesjährigen 3satKrimisommer. Der Film aus dem Jahr 2015 bringt ein prominentes Ensemble an die Ostsee – und wirft zugleich die Frage auf, wie sehr deutsche Küstenkrimis von britischen Vorbildern geprägt sind.

Die Handlung setzt mit einem schockierenden Fund ein: Die 14-jährige Jenny Broder treibt tot an der Seebrücke der fiktiven Stadt Nordholm. Die Ermittlungen führen mitten in eine enge Gemeinde, in der jede Beziehung, jede Kleinigkeit zur Spur werden kann. Im Zentrum steht die Ermittlerin Hella Christensen, gespielt von Barbara Auer, die das Opfer- und Nachbarschaftsleben gut kennt und deshalb persönlich involviert ist.

Parallel wird ein rauer Ermittler aus Kiel eingeführt, verkörpert von Heino Ferch, dessen unpathetische Art die örtlichen Befindlichkeiten aufbricht. Das Team aus bekannten Darstellern wie Anja Kling, Jörg Schüttauf, Gustav Peter Wöhler oder Hinnerk Schönemann sorgt für dichte Besetzung, während die Geschichte nach und nach die verschiedenen Verdächtigen freilegt.

Warum der Vergleich mit „Broadchurch“ aufkommt

Die Parallelen zur britischen Erfolgsserie Broadchurch liegen nicht nur in der Ausgangssituation: ein Verbrechen zerstört das Bild einer intakten Kleinstadt. Auch die Figurendynamik erinnert an das ITV-Original: eine lokale Polizistin, deren Nähe zur Gemeinde Konflikte schafft, trifft auf einen von außen kommenden, schwer zu fassenden Kollegen. Die Autoren Stefan Holtz und Florian Iwersen lassen sich in Aufbau und Figurenkonstellation eindeutig von diesem Muster beeinflussen.

Dennoch ist „Tod eines Mädchens“ kein direkter Abklatsch: Plot und Struktur der Fälle folgen eigenen Regeln, und die Motive, die im Film offengelegt werden, weichen in Ton und Ablauf vom britischen Vorbild ab.

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Stil, Kameraarbeit und Kritik

Regisseur Thomas Berger inszeniert die norddeutsche Kulisse mit Blick für Bildkomposition; Kameramann Frank Küpper fängt die Küstenlandschaften atmosphärisch ein. Visuell macht der Film also einiges her.

In der Bewertung schwankt die Bilanz: Viele Kritiker bemängeln das Drehbuch als zu konventionell und wenig eindringlich – besonders im Vergleich zu den intensiven, emotionalen Szenen, für die „Broadchurch“ gelobt wurde. Trotzdem war das Publikum 2015 deutlich angetan: Die Zuschauerzahlen stiegen von 7,18 Millionen beim ersten Teil auf 8,02 Millionen beim zweiten.

Für die Fortsetzungen der Reihe übernahm Berger später selbst das Schreiben der Vorlagen; diese Nordholm-Zweiteiler laufen in den kommenden Wochen ebenfalls innerhalb des Krimisommers jeweils dienstags und mittwochs.

Tod eines Mädchens – So. 14.06. – 3sat: 20.15 Uhr

Der Thementag beginnt bereits am Morgen mit dem Film „Der Bestseller – Wiener Blut“, das volle Programm des 3satKrimisommers läuft bis zum 16. Juli und bietet Wiederholungen zahlreicher deutschsprachiger Kriminalfilme.

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