Frauen in giftigen Beziehungen besonders gefährdet: Expertin nennt Hauptursache

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Von : Johanna Feldner

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Immer mehr Frauen in Deutschland geraten in Beziehungen, in denen Macht und Kontrolle systematisch missbraucht werden. Aktuelle Zahlen und die Erfahrung von Therapeutin Christina Diamantis zeigen: Dieses Problem ist nicht nur persönlich, sondern ein öffentliches Gesundheitsproblem mit wachsenden Folgen.

Die Lage ist konkret: Das Bundeskriminalamt registrierte 2024 rund 266.000 Frauen als Opfer von häuslicher Gewalt — etwa 10.000 Fälle mehr als im Vorjahr. Parallel dazu bleibt die WHO‑Feststellung gültig, dass weltweit etwa jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens Übergriffe erlebt. Für Betroffene bedeutet das eine hohe Wahrscheinlichkeit, auf subtile, aber tief wirksame Muster zu treffen.

Eine Expertin, die aus eigener Erfahrung spricht

Christina Diamantis arbeitet als Paar- und Einzeltherapeutin, schreibt und moderiert einen Podcast zum Thema. Sie war selbst Opfer von Missbrauch und nutzt diese Perspektive, um öffentlich über die Mechaniken toxischer Beziehungen aufzuklären.

Ihre Beobachtung: Theoretisches Wissen allein reicht nicht aus. Opfer brauchen niedrigschwellige Hilfe, konkrete Sicherheitsstrategien und Begleitung beim Abbau von Selbstvorwürfen. Diamantis betont außerdem, dass nicht alle Täter offen gewalttätig auftreten – oft sind die Mechanismen subtil, psychisch schädigend und damit schwerer zu erkennen.

Wie sich das Muster häufig entwickelt

Aus Sicht der Therapeutin und aktueller Forschung läuft eine narzisstisch geprägte Beziehung oft in wiederkehrenden Phasen ab. Diese wechseln zwischen überschwänglicher Zuwendung und scharfer Abwertung, mit dem Effekt, dass Betroffene emotional immer abhängiger werden.

  • Überhöhte Idealisierung: Anfangs unverhältnismäßig starke Anerkennung und Liebesbekundungen.
  • Kontrolle und Manipulation: Schrittweise Einschränkung von Autonomie, sozialer Isolation.
  • Abwertung und Schuldzuweisung: Kritik, Gaslighting und das Verdrehen von Tatsachen.
  • Emotionale Abhängigkeit: Opfer bleiben in der Beziehung, weil die Stimmung und Bestätigung wechselhaft gegeben werden.

Studien legen nahe, dass Persönlichkeitsmerkmale wie Narzissmus in vielen Fällen mit aggressivem Verhalten korrelieren — nicht immer physisch, häufiger jedoch psychisch verletzend.

Was das für Betroffene bedeutet

Die Folgen reichen von akutem Sicherheitsrisiko bis zu langfristigen seelischen Schäden: Angststörungen, Depressionen und Isolation sind häufig. Für die Gesellschaft entstehen Kosten durch Gesundheitsversorgung, juristische Verfahren und psychotherapeutische Betreuung.

Wichtig ist: Die Verantwortung für Gewalt liegt immer beim Täter. Betroffene brauchen Zugang zu Schutz, Information und Unterstützung, ohne stigmatisiert zu werden.

Praktische Hinweise: Erkennen und Handeln

Wer sich in einer Beziehung unsicher fühlt, kann auf konkrete Signale achten. Kleine Hinweise zusammen können ein ernstzunehmendes Problem anzeigen.

  • Plötzliche Einschränkungen sozialer Kontakte oder ständiges Misstrauen gegenüber Freundinnen und Familie
  • Systematisches Herabsetzen, Verunglimpfung oder häufige Schuldzuweisungen
  • Widersprüchliches Verhalten: intensive Liebesbekundungen wechseln mit Kälte oder Strafen
  • Kontrolle über Finanzen, Zugang zu persönlichen Dokumenten oder ständiges Überwachen
  • Leugnung von Vorfällen, Verdrehen von Fakten (Gaslighting)

Sieben Schritte, die helfen können

  • Vertraue auf deine Wahrnehmung — Zweifel sind oft Teil der Manipulation.
  • Dokumentiere Vorfälle (Nachrichten, Fotos, Termine) an einem sicheren Ort.
  • Erstelle einen persönlichen Sicherheitsplan (Fluchtweg, Notfallkontakte, Gepäck bereitstellen).
  • Sprich mit vertrauten Personen oder professionellen Beratungsstellen über deine Situation.
  • Nutze spezialisierte Hilfsangebote: Frauenhäuser, Beratungsstellen und Rechtsberatung.
  • Wenn du akut bedroht bist, rufe die Polizei (Notruf 110).
  • Hole dir therapeutische Unterstützung zur Verarbeitung und Stabilisierung.

In Deutschland gibt es niedrigschwellige Anlaufstellen: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist bundesweit unter 08000 116 016 erreichbar und bietet rund um die Uhr Beratung in mehreren Sprachen.

Warum jetzt handeln wichtig ist

Die steigenden Zahlen der Polizei zeigen: Das Thema bleibt aktuell und betrifft immer mehr Menschen. Frühes Eingreifen kann körperliche und seelische Schäden verhindern. Gleichzeitig braucht die Gesellschaft bessere Zugänge zu Therapie und Schutzräumen, damit Betroffene nicht allein gelassen werden.

Diamantis appelliert an Politik, Gesundheitswesen und Gemeinden, Prävention, Frühwarnsysteme und Versorgung konsequent auszubauen. Für Betroffene empfiehlt sie: Informationen einholen, Schutzmöglichkeiten prüfen und sich nicht von Scham zurückhalten lassen.

Wer Hilfe sucht, sollte wissen: Es gibt Angebote — anonym, kostenlos und professionell. Der erste Schritt kann ein Gespräch sein.

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