„Ich wollte mich verstecken“: Star enthüllt seine dunkelsten Momente!

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Von : Larissa Vogler

„Am liebsten hätte ich mich versteckt“

„Ich hätte mich am liebsten versteckt“

In den 1970er Jahren gelangte sie zu Ruhm als Schlagersängerin, heute erobert Marianne Rosenberg die Charts mit tiefgründigen Popmelodien. Ein Rückblick auf die Karriereanfänge eines introvertierten Teenagers, kontroverse Befreiungsakte und die Bedeutung von Familie.

Die Dame, die in das Restaurant „Hamlet“ am Ludwigkirchplatz in Berlin-Wilmersdorf eintritt, wirkt auf den ersten Blick etwas distanziert. Kein Wunder, ist Marianne Rosenberg doch seit vielen Jahren eine bekannte Größe im Rampenlicht. Doch im Gespräch zeigt sich schnell: Hier sitzt keine unnahbare Diva.

Sie beschreibt sich selbst als „politisch geboren“, aufgrund ihrer familiären Hintergründe, verfolgt durch das NS-Regime, sieht sie es als ihre Pflicht, die Welt menschlicher zu gestalten. Sie glaubt fest daran, dass Musik Berge versetzen kann.

WELT: Frau Rosenberg, wenn ich erwähne, dass ich Sie treffen werde, beginnen die Leute oft, „Er gehört zu mir“ zu singen. Ihre Hits aus den 70ern sind legendär. Derzeit läuft der Vorverkauf für Ihre Club-Tour 2025. Wie schaffen Sie es, so lange erfolgreich zu bleiben?

Marianne Rosenberg: Meine Karriere verlief nicht geradlinig. Derzeit erlebe ich meine dritte Karrierephase, ähnlich wie viele Mütter, die durchstarten, wenn die Kinder unabhängig werden. Auch die Beziehung zu meinem Lebensgefährten hat sich gewandelt. Wir haben zusammen ein wunderbares Kind großgezogen und pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Seit über sechs Jahren konzentriere ich mich voll und ganz auf meine Musik. Als ich diesen Entschluss fasste, fühlte ich mich frei und unabhängig, fast wie ein Teenager, der von zu Hause auszieht. Familie stand bei mir immer an erster Stelle.

WELT: Ihr Drang nach Selbstverwirklichung zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben.

Rosenberg: Zu Beginn meiner Karriere war ich sehr gehorsam und habe wenig selbst entschieden. Als Minderjährige durfte ich noch keinen Vertrag unterschreiben und war eigentlich zu jung für die ZDF-Hitparade. Über Nacht machte mich die Plattenfirma zwei Jahre älter, sodass ich als vermeintlich 16-Jährige bei Dieter Thomas Heck auftreten konnte.

WELT: Wie hat sich Ihr Erfolg zu Hause ausgewirkt?

Rosenberg: Meine Familie war immer in meine Karriere involviert. Sie halfen beim Beantworten der Fanpost und waren sehr offen gegenüber Journalisten. Anfangs stand sogar unsere Adresse in den Zeitungen. Mein Vater eignete sich schnell das Management und die Pressearbeit an.

WELT: Sie haben viel Geld mit Ihren Platten verdient. Waren Sie zu Hause der Star?

Rosenberg: Mit dem Geld konnten wir uns ein Haus leisten, das war vorher unvorstellbar. Doch ich spielte keine Sonderrolle. Musikalität war in unserer Familie normal. Mein Bruder Janosch hatte vor seinem Stimmbruch eine ähnliche Stimme wie ich und arbeitete später mit dem Musikproduzenten Frank Farian. Meine Geschwister sorgten dafür, dass ich nicht abhob. Nach einem Auftritt sagte meine ältere Schwester, dass ich mich nicht vor dem Abwasch drücken sollte.

WELT: Wie waren Sie als Teenager abseits der Bühne?

Rosenberg: Ich war sehr introvertiert. Musik hat mich begeistert, ich liebte die Studioaufnahmen. Vor Publikum zu stehen fiel mir jedoch schwer. Ich fand mich nicht schön und hätte mich am liebsten versteckt. Das ist typisch für das Alter, in dem man etwas pummelig wird und Pickel bekommt.

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WELT: Trotzdem traten Sie mit 15 Jahren vor 40.000 Menschen bei einem Wettbewerb in Rio auf.

Rosenberg: Damals war der Sänger Paul Simon in der Jury. Er gab mir keinen Punkt, weil ich aus Deutschland kam. Das war verständlich, da er aus einer jüdischen Familie stammt und der Holocaust noch nicht lange zurücklag. Trotzdem hatte er kein Recht, mir eine Bewertung zu verweigern. Eine Frau von der Plattenfirma dachte, ich sei vielleicht jüdisch aufgrund meines Nachnamens und schlug vor, ich solle mit Simon sprechen. Das habe ich nicht getan. Ich wollte niemandem von meiner Familiengeschichte erzählen.

WELT: Ihr 2001 verstorbener Vater Otto Rosenberg wurde als Sinto von den Nationalsozialisten verfolgt. Er überlebte als Einziger seiner Familie den Porajmos, den Völkermord an den europäischen Sinti und Roma.

Rosenberg: Er wollte lange nicht, dass wir öffentlich über unsere Familiengeschichte sprechen, auch nicht gegenüber der Plattenfirma. Weise, wie er war, sagte er: „Es schläft nur!“ Es gibt noch viele, die den Rassenwahn der Nazis in sich tragen.

WELT: Als Neunjähriger kam er in das Zwangslager für Sinti und Roma in Berlin-Marzahn. Dort führte die „Rassenforscherin“ Eva Justin menschenunwürdige Untersuchungen durch – auch an Ihrem Vater. Diese Aufzeichnungen waren die Grundlage für den Mord an den Sinti und Roma.

Rosenberg: Mein Vater, der bereits als 13-Jähriger Zwangsarbeit leisten musste, wurde wenige Tage vor seinem 15. Geburtstag nach Auschwitz deportiert. Nach dem Ende des Nationalsozialismus war er 18 und musste darum kämpfen, die deutsche Staatsbürgerschaft zurückzuerhalten. Heute bekommt man, zugespitzt formuliert, nach jedem Verkehrsunfall eine psychologische Unterstützung. Menschen, die wie mein Vater in den Lagern die schlimmsten Dinge erlebt hatten, wurden einfach in die Gesellschaft entlassen. Doch die Dinge, die er erlebt hat, ließen sich nicht wegdrücken und schon gar nicht bewältigen.

WELT: Dass die Nazi-Verbrechen auf die nachfolgenden Generationen Auswirkungen haben, steht für viele Forscher außer Frage. Wie belastet war Ihr Familienleben?

Rosenberg: Was meine Mutter an Unterstützung geleistet hat, war immens. Für ihn, der so viele verloren hat, war es sicher ein Gewinn, dass wir sieben Geschwister sind. Die ermordeten Verwandten waren jedoch immer präsent, wir sind mit ihnen aufgewachsen. Die Fotos hingen in der Wohnung. Auf vielen waren Kinder zu sehen, die im Konzentrationslager hungern mussten. In unserer Familie war es ein Ding der Unmöglichkeit, den Teller nicht leer zu essen. Wenn ich nicht mehr konnte, habe ich die Brote vor ihm versteckt.

WELT: Welche Rolle spielten Sie für ihren Vater?

Rosenberg: Als ich fünf, sechs, sieben Jahre alt war, rief er häufiger nachts aus der Kneipe an, damit meine Mutter mich und meinen Bruder Janosch zu ihm schickte. Wir sollten für ihn singen. Ich erinnere mich, wie er vor mir kniete und weinte, wenn ich auf dem Tisch stand und sang. Das war kein Eislauf-Vater. Das war ein Mann, der nicht vergessen konnte. Seine ermordete Familie war hochmusikalisch. Seine Mutter hatte eine wunderbare Stimme und trat bei Festen auf. Und dann stellte er fest, dass eines seiner Mädchen diese Stimme hat, die zu Tränen rührt. Das hieß, dass etwas nicht besiegt wurde, dass etwas überlebt hat, was getötet werden sollte.

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WELT: Was haben Sie gesungen?

Rosenberg: Schlager von Connie Frances oder von Caterina Valente. Ich sang aber auch das jiddische Lied „Mamme“, das von dem Schmerz erzählt, den es bedeutet, seine Mutter zu verlieren. Und ich habe Lieder vorgetragen, die meine Großmutter gesungen hat. Mein Vater hat sie mir beigebracht.

WELT: War das nicht belastend?

Rosenberg: Ich wusste schon als Kind, dass er ein absolutes Gehör hatte und dass es etwas Besonderes war, wenn er mich lobte. Und ich wollte von ihm gelobt werden.

WELT: In seinen Lebenserinnerungen schrieb Ihr Vater, dass er die Nummer, die in Auschwitz auf seinem Arm tätowiert worden war, mit einer neuen Tätowierung überdecken ließ: Mit einem Engel. Er wollte „das Böse mit etwas Gutem versehen“.

Rosenberg: Anfang der Achtziger fing er an, Versöhnungsarbeit zu leisten. Er ging in Schulen und erzählte über die Zeit des Nationalsozialismus. Das Erste, was er sagte, war: Ihr tragt keine Schuld! Aber Ihr müsst wissen, was passiert ist. Ohne Aufklärung, davon war er überzeugt, ist die Gefahr groß, dass die Geschichte sich wiederholt.

WELT: Und er begann, sich politisch zu engagieren.

Rosenberg: Als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg kämpfte er für die Anerkennung des Genozids an dieser Minderheit. Er setzte sich auch dafür ein, dass Dokumente über Versuche, die in den Konzentrationslagern an Menschen durchgeführt wurden, an die Öffentlichkeit gelangten.

WELT: Auch in Ihrer Arbeit vollzog sich Anfang der Achtziger eine entscheidende Wende: vom Schlagerstar zur Künstlerin, die den Finger in gesellschaftliche Wunden legt. Was war der Auslöser?

Rosenberg: Das war kein plötzlicher Entschluss. Ich wollte schon länger raus aus der Schlager-Branche. Mein Komponist und Produzent Joachim Heider hat sehr gute Musik geschrieben. Ich finde meine Songs von damals bis heute toll. Das war amerikanisch geprägte Musik, der so genannte Phillysound. Aber ich wollte ja wissen: Was will ich selbst? Welchen Stil? Worüber will ich singen?

WELT: Sie traten mit Extrabreit auf, deren Song „Polizisten“ als so staatskritisch galt, dass er beim Bayerischen Rundfunk auf dem Index stand. Sie waren bei „Rock gegen Rechts“-Konzerten dabei. Haben Sie sich auch parteipolitisch eingeordnet?

Rosenberg: Ich bin politisch geboren. Dagegen konnte ich gar nichts tun. Ich bin hineingeboren in eine Welt, in der es darum ging, dass sich die Schrecken der NS-Zeit nie wiederholen. Das ist sicher auch der Grund dafür, dass ich bis heute sehr wachsam für Diskriminierungen bin und dagegen auftrete: Für Frauen, für Sinti und Roma, für jüdische Menschen, für die queere Community. Aber ich wollte immer frei von einer bestimmten politischen Richtung bleiben, deswegen habe ich mich nie einer Partei oder einem Verein angeschlossen.

WELT: Die Achtziger waren für Sie eine Zeit des Experimentierens. 1984 kam es zu einem aufsehenerregenden Duett in der Berliner Schaubühne mit Rio Reiser, dem Sänger von „Ton Steine Scherben“.

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Rosenberg: Heute ist ein solches Crossover zwischen Schlager und Rockmusik nichts Außergewöhnliches. Damals war es ein Skandal. Ich finde es sehr schön, auf so eine Geschichte der Selbstbefreiung in diesem Business zurückschauen zu können. Vor allem als Frau. Das war ja von den Musikproduzenten und Textern bis zu den Plattenfirmenchefs eine Männerwelt.

WELT: Sie gründeten sogar eine Frauenband.

Rosenberg: Meine Freundin Marianne Enzensberger und ich waren „La Rouge et la Noir“. Wir haben sehr emanzipierte Texte gesungen, für die wir auch ausgebuht wurden. Es passte nicht jedem, mit welcher Wucht wir die Themen auf den Tisch knallten.

WELT: Heute sind Ihre Töne sanfter, aber nicht weniger gesellschaftskritisch. In Ihrem Lied „Im Namen der Liebe“ heißt es: „Hass hat Hass nie besiegt. Lass es Liebe sein.“

Rosenberg: Als das Lied 2020 herauskam, hatten wir schon ähnliche Symptome wie heute, Populisten kamen auf, die Angst vor Anschlägen wuchs. In solch düsteren Stimmungslagen müssen wir umso mehr an einem liebevollen Umgang in der Gesellschaft arbeiten und begreifen, dass Meinungsunterschiede nicht automatisch Feindschaft hervorrufen müssen. Ich glaube fest daran, dass Musik etwas bewirken kann. Meine Botschaften kommen nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern richten sich an die Gefühle. Es sind schließlich auch die Emotionen, die die Angst in unserer Gesellschaft so groß werden lassen.

WELT: Sie thematisieren auch die ganz persönlichen Fragen des Lebens. Zum Beispiel in Ihrem sehr nachdenklichen Song „Anfang und Ende“.

Rosenberg: Dieses Lied habe ich für meine Mutter geschrieben. Sie ist vor einem Jahr gestorben. Sie war eine Mutter, die immer liebt, immer verzeiht, immer auf deiner Seite ist, auch wenn du im Unrecht bist. Sie wurde 90 Jahre alt, und es ging ihr zum Schluss sehr schlecht. Trotzdem war ihr Tod für mich ein so tiefer Einschnitt, wie ich ihn kaum beschreiben kann. Im vergangenen Jahr habe ich wie eine Irre gearbeitet, um vor der Trauer wegzulaufen. Dabei ist auch dieses Lied entstanden.

WELT: Es geht um den unwiederbringlichen Abschied von einem geliebten Menschen.

Rosenberg: Und darum, dass dieser Abschied für uns ein ewiges Rätsel bleibt. Alle Menschen müssen gehen, es passiert jeden Tag hunderttausendfach. Und trotzdem: So wie eine Geburt ein wahnsinniges Wunder ist, bleibt auch der Tod etwas Unbegreifliches.

WELT: Als Sie im Juli

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