Warum ähneln deutsche Wahlurnen Mülltonnen?
Die Gestaltung der Wahlurnen in Deutschland hinterlässt oft einen nüchternen Eindruck und vermittelt kaum die festliche Bedeutung demokratischer Wahlen. Es wird daher nach neuen Ansätzen gesucht, um die Behälter für Stimmzettel angemessener zu designen.
Wenn am nächsten Sonntag die Bundestagswahl stattfindet, werden die Wähler ihre Stimmen in Behälter einwerfen, die erstaunlich oft an Mülltonnen erinnern. Selbst der oft handschriftliche Hinweis, dass es sich um eine Wahlurne handelt, ändert wenig an diesem Eindruck.
Die Verwendung von Behältern, die Mülltonnen ähneln, um über die politischen Vertreter der nächsten Legislaturperiode zu entscheiden, hat bereits öfter zu Beschwerden geführt. So forderte der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann während der bayerischen Landtagswahl 2018, keine umfunktionierten Mülltonnen mehr zu verwenden, da eine Wahl ein „Festtag der Demokratie“ sei und die Wahlurnen nicht nur praktisch und kostengünstig, sondern auch optisch ansprechend sein sollten. Ein Vorschlag, den das Kreisverwaltungsreferat jedoch ablehnte, da die bunten Wahlurnen in den Stadtfarben Münchens sogar die gesetzlichen Anforderungen übertrafen.
Das Thema blieb weiterhin präsent. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2023 lehnte es die damalige Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) ab, ihren Stimmzettel in eine schwarze „Mülltonne“ zu werfen und sorgte für eine alternative Wahlurne, die weniger nach einem Produkt der Stadtreinigung aussah. Das aktuelle Angebot an Wahlurnen reicht von halbtransparenten Leichtbauurnen bis hin zu großen, rollbaren Modellen mit einem Fassungsvermögen von 120 Litern.
Ein Wandel könnte jedoch bevorstehen, denn die Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und die Hochschule des Bundes in Brühl nehmen sich nun des Problems an. Sie haben einen Wettbewerb ausgerufen, um kreative Vorschläge für das Design von Wahlurnen zu sammeln. Das Projekt „Redesigning Democratic Representation (Re·De·Re)“, gefördert von der Volkswagenstiftung, startet am 17. Februar und lädt zur Einreichung von Ideen ein.
„An der Wahlurne wird Demokratie durch unsere Stimmabgabe lebendig“, erklärt Friedrich von Borries, Professor für Designtheorie in Hamburg und Projektleiter. „Ein bedeutungsvoller Moment, der eine liebevolle und angemessene Gestaltung verdient.“ Laut von Borries ist das bewusste Design der Wahlurnen kein rein ästhetischer Luxus, sondern spielt eine wichtige Rolle im politischen System, indem es die Bedeutung des Wahlakts sichtbar und fühlbar macht.
Zudem werden im Rahmen des Wettbewerbs nicht nur innovative, sondern auch praktische Produktideen gesucht, um den Wahlakt zeitgemäß zu rahmen und die Demokratie zu stärken.
Die Geschichte der Wahlurne reicht bis ins antike Griechenland zurück, zum „Ostrakismos“, einem Verfahren, bei dem politische Führer, die als schädlich angesehen wurden, verbannt werden konnten. Die Urnen, die damals verwendet wurden, ähnelten Krügen oder Töpfen, woraus sich auch der Name „Urne“ ableitet. In der DDR wurden Wahlurnen verwendet, um die vorher festgelegten Einheitslisten zu bestätigen, was die freien Wahlen stark einschränkte.
Der aktuelle Wettbewerb zur Verschönerung von Wahlurnen könnte somit eine willkommene Gelegenheit bieten, die Stimmabgabe nicht nur demokratisch, sondern auch ästhetisch ansprechend zu gestalten. Der Einsendeschluss ist der 14. April, und es winkt ein Preisgeld von 3000 Euro. Es bleibt zu hoffen, dass die Zukunft der Wahlurnen einladender gestaltet wird und der Wahlakt als wertvoller Moment wahrgenommen wird, statt das Gefühl zu vermitteln, die eigene Stimme wäre verschwendet.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
