Kundenwahn: Ganze Zimmer auf einmal verkauft!

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Von : Larissa Vogler

„Einige unserer Kunden kaufen gleich den kompletten Raum“

„Manche Käufer entscheiden sich für den gesamten Raum“

Giorgio Pace, Gründer der „Nomad Circle“, einer reisenden Luxusmesse mit Antiquitäten, Gemälden und Juwelen, spricht über das Phänomen des Einkaufs als Erlebnis und das Konzept des „Betonreich“-Seins.

Nach einem zweistündigen Aufstieg auf den Maloja, einem Berg in den Engadiner Alpen, bereitet Giorgio Pace in seiner Küche Tee zu. „Möchten Sie Earl Grey? Ich habe hier eine exzellente Mischung, verfeinert mit Bergamotte aus Kalabrien“, bietet der Italiener an. Der Tee stammt von Postcard Teas in London, einem renommierten Teegeschäft, geleitet von Tim d’Offay, dem Sohn des bekannten Galeristen Anthony d’Offay. Paces Augen leuchten vor Begeisterung – ein Zeichen seines reichen Lebens und seiner vielen Erfahrungen.

WELT: Haben Sie schon einmal etwas auf Ebay erworben?

Giorgio Pace: Nein, Ebay habe ich bisher gemieden. Ich bevorzuge Online-Auktionen für den Kauf besonderer Objekte und schätze den Kontakt zu Menschen, die eine Leidenschaft für schöne Dinge teilen.

WELT: Wann begannen Sie mit dem Sammeln und was waren Ihre ersten Stücke?

Pace: Angefangen hat alles, als ich mit 23 Jahren nach New York zog. Mein Gepäck bestand aus Leinentischwäsche, etwas Silberbesteck und einem alten indischen Wandteppich – meine Erstausstattung für ein neues Leben in einer winzigen Wohnung.

WELT: Wie unterscheiden Sie zwischen hochwertigen Stücken und Trödel?

Pace: Ich stamme aus Termoli, einem kleinen Ort in Süditalien, wo traditionelles Handwerk hochgeschätzt wird. Diese Wertschätzung für Tradition und Qualität hat mich geprägt und meine berufliche Laufbahn beeinflusst, die mich unter anderem zum Kurator am Metropolitan Museum in New York und zum Herausgeber des Magazins „Visionaire“ führte.

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WELT: Reisen hat heute oft seinen Charme verloren, oder?

Pace: Dennoch ist es wichtig, aktiv die Welt zu erkunden und nicht nur virtuell auf Entdeckungsreise zu gehen. Man muss die Welt spüren und erleben. Auch wenn man nicht tagelang im Prado verweilen muss, so sollte man doch zumindest einen Blick hineinwerfen, wenn man in Madrid ist.

Pace: Ich habe 2009 Giorgio Pace Projects ins Leben gerufen und kuratiere seither auch Events für Luxusmarken. Ein Highlight war ein Dinner für Louis Vuitton auf dem Dach der Villa Malaparte auf Capri.

WELT: Wer ist heute Besitzer der Villa Malaparte?

Pace: Offiziell gehört sie der Fondazione Ronchi. Früher war sie Curzio Malaparte vermacht worden, was jedoch gerichtlich angefochten wurde. Die Villa ist nur per Boot oder über einen langen Fußmarsch erreichbar.

WELT: Warum haben Sie die „Nomad Circle“ ins Leben gerufen?

Pace: Zusammen mit dem kanadischen Galeristen Nicolas Bellavance-Lecompte wollte ich eine Plattform schaffen, die sich von den üblichen, überfüllten Kunstmessen unterscheidet. Wir bieten eine exklusive Bühne für Künstler und Designer an wechselnden Orten wie St. Moritz oder Capri.

WELT: Wie kam Ihnen die Idee?

Pace: Viele Sammler und Galerien sind müde von den großen, herkömmlichen Kunstmessen. Wir wollten etwas Eigenes, Feineres schaffen, an immer neuen, überraschenden Orten. Das Engadin, bekannt als Kunst-Mekka, bietet dafür das perfekte Ambiente.

WELT: Wie steht es um die Luxusindustrie in der heutigen Zeit?

Pace: Trotz einer gewissen Zurückhaltung bei Gelegenheitskäufern zeigt die Kunstmesse Tefaf in Maastricht, dass immer noch eine starke Kaufkraft vorhanden ist. Es geht darum, diese für sich zu gewinnen.

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WELT: Was verändert sich in der Welt des Luxus?

Pace: Der Bereich der Erlebniskäufe floriert. Luxusmarken schaffen einzigartige Erlebnisse, um Kunden zu begeistern. Unsere Messe nutzt die Schönheit von Orten wie St. Moritz oder Capri, um kreative Menschen zusammenzubringen und inspirierende Begegnungen zu ermöglichen.

WELT: Wie gehen Sie mit der Herausforderung um, dass Stil heute überall verfügbar ist?

Pace: Stil-Vampirismus ist eine Herausforderung. Einerseits möchte man exklusive Dinge bewahren, andererseits freut man sich über jeden begeisterten Kunden. Manche kaufen sogar ganze Räume, wie sie sind – inklusive Kunstwerke und Möbel.

WELT: Und wie halten Sie es mit der Sauberkeit?

Pace: Ich hasse Staub und sorge immer dafür, dass meine Umgebung sauber ist. Es ist wichtig, sich in einer Umgebung wohlzufühlen, die nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch gepflegt ist.

WELT: Welcher jüngste Kauf unter 100 Euro hat Ihr Leben positiv beeinflusst?

Pace: Eine Dobostorte aus Wien, die ich kürzlich erstanden habe. – Noch etwas Tee?

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