Öko-Test enthüllt: Kräuter der Provence enthalten ungewöhnlich viele Rückstände

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Von : Markus Niedrig

Kräuter der Provence im Schälchen umgeben von frischen Kräutern

Viele Kräutermischungen für den heimischen Herd enttäuschen – was Verbraucher jetzt wissen sollten

Eine aktuelle Untersuchung von Öko-Test offenbart: Zahlreiche als „Kräuter der Provence“ verkaufte Mischungen sind mit Schadstoffen belastet. Für Verbraucher ist das relevant, weil getrocknete Kräuter regelmäßig in kleinen Mengen verzehrt werden und Verunreinigungen sich langfristig auswirken können.

Woher stammen die Kräuter wirklich?

Öko-Test ließ 23 Produkte analysieren, darunter neun mit Bio-Siegel. Die Zusammensetzungen variierten stark: Rosmarin, Thymian, Bohnenkraut, Oregano und Basilikum tauchen häufig auf, ergänzt von Lavendel, Majoran oder Salbei – gelegentlich auch ungewöhnliche Zutaten wie Schnittlauch.

Entscheidend: Die Bezeichnung „Provence“ ist kein Herkunftsversprechen. Häufig genannte Anbauländer waren Ägypten, Marokko, Griechenland und Albanien; nur sehr wenige Kräuter stammten tatsächlich aus Frankreich. Preislich reichten die Proben von sehr günstig bis höherwertig, was sich nicht eindeutig mit der Qualität deckte.

Welche Belastungen wurden gefunden?

Das Labor wies mehrere Schadstoffgruppen nach, die Verbrauchern Anlass zur Vorsicht geben:

  • MOSH (Mineralölbestandteile): Diese Substanzen können sich im Fettgewebe anreichern; gesundheitliche Folgen sind noch nicht abschließend geklärt.
  • Pestizidrückstände: In einigen Proben wurden mehrere Wirkstoffe nachgewiesen, darunter auch problematische Fungizide.
  • Pyrrolizidinalkaloide (PA): Pflanzenstoffe, die über Beikräuter in die Mischung gelangen können und in Tierversuchen leberschädigend sowie krebserregend gezeigt haben.

Konkrete Testergebnisse

Sieben der 23 geprüften Mischungen fielen mit den Noten „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Zwei Produkte wiesen besonders starke Belastungen auf und liegen damit an der Spitze der Negativbefunde.

  • Ankerkraut – Kräuter der Provence, Nachfüllpack (ca. 2,00 €/20 g): sehr hohe MOSH-Werte; zusätzlich mehrere verschiedene Pestizide nachgewiesen, darunter das Fungizid Dimethomorph, das als potenziell reproduktionstoxisch eingestuft wird.
  • Kania (Lidl) – Kräuter der Provence (ca. 0,85 €/20 g): erhöhte MOSH-Gehalte, Spuren von Pestiziden und Nachweis von Pyrrolizidinalkaloiden.

Produkt Preis (ca./20 g) Hauptmangel Bewertung
Ankerkraut – Kräuter der Provence (Nachfüllpack) 2,00 € Hohe MOSH-Konzentration; mehrere Pestizide ungenügend
Kania (Lidl) – Kräuter der Provence 0,85 € MOSH, Pestizide, Pyrrolizidinalkaloide mangelhaft
Alnatura – Kräuter der Provence (Bio) 1,59 € keine relevanten Belastungen festgestellt gut
Dennree – Kräuter der Provence (Bio) 1,59 € keine relevanten Belastungen festgestellt gut
Tegut – Kräuter der Provence (Bio) 1,49 € keine relevanten Belastungen festgestellt gut

Was bedeutet das für den Alltag?

Für Konsumenten ergeben sich mehrere praktische Schlüsse: Nicht alle teureren Produkte sind automatisch sicher, aber alle als „gut“ bewerteten Mischungen im Test trugen ein Bio-Siegel. Das deutet darauf hin, dass ökologische Anbauweisen und strengere Kontrollen zumindest in diesen Fällen Wirkung zeigen.

Kurzfristig lässt sich das Risiko mit einfachen Maßnahmen verringern:

  • Kaufen Sie bevorzugt geprüfte Bio-Ware und achten Sie auf nachvollziehbare Herkunftsangaben.
  • Lagern Sie getrocknete Kräuter lichtgeschützt und luftdicht; so behalten sie Aroma und Qualität länger.
  • Geben Sie Kräuter erst gegen Ende der Garzeit in warme Speisen – das schont das Aroma.

Die vollständigen Testergebnisse sind auf der Website von Öko-Test einsehbar. Langfristig zeigen die Befunde eine Lücke in der Kontrolle und Kennzeichnung solcher Mischungen: Verbraucher haben Anspruch auf transparente Herkunftsangaben und sichere Lebensmittelstandards.

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