Rewe und Edeka: teurere Eigenmarken enttäuschen im Qualitätscheck

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Von : Markus Niedrig

Eigenmarken von Rewe und Edeka im Test – ist teurer wirklich besser?

Viele Kundinnen und Kunden stehen im Supermarkt vor der Frage: Lohnt sich der Aufpreis für die teurere Eigenmarke oder reicht das günstige Produkt? Ein aktueller Vergleich von Rewe- und Edeka-Hausmarken zeigt, dass der Mehrpreis nicht immer klare Vorteile bringt – in Einzelfällen sind sogar die billigeren Varianten überraschend vorteilhafter.

Wie der Test zustande kam

Wir ließen mehrere Produkte blind probieren und analysierten Zusammensetzung, Verpackungsangaben und Haltbarkeit. Beteiligte Experten waren der Koch Michel Fischer, Verbraucherschützerin Dr. Britta Schautz und Manon Sieber von der App MarkenDetektive. Ziel: herausfinden, ob der Preisaufschlag gerechtfertigt ist und welche Unterschiede für Verbraucherinnen und Verbraucher wirklich relevant sind.

Rewe: Suppe – kaum ein Unterschied im Geschmack

Bei zwei Hühnernudelsuppen aus dem Rewe-Regal – der günstigen „ja!“-Dose und der teureren „Beste Wahl“ – fiel dem Profi-Koch zunächst nur auf, dass die teurere Variante etwas kräftiger gewürzt sei. Insgesamt waren die Unterschiede jedoch minimal.

Interessant: Beide Produkte stammen laut Recherchen von demselben Hersteller. Die „Beste Wahl“ kostete im Test lediglich rund 40 Cent mehr; das entsprach einem Aufschlag von etwa 21 Prozent gegenüber dem Billigangebot.

Gefrorene Himbeeren: Nährwerte gleich, Haltbarkeit nicht

Die TK-Himbeeren von Edeka lieferten auf den Datenblättern praktisch identische Nährwertangaben. Dr. Schautz weist darauf hin, dass solche Werte oft berechnet werden – das kann darauf hindeuten, dass beide Packungen aus der gleichen Produktion stammen.

Im Praxistest zeigte sich jedoch ein Unterschied: Die günstigere Packung wurde schneller matschig, obwohl beide zeitgleich aufgetaut wurden. Für Käuferinnen und Käufer bedeutet das: kurzfristig keine geschmacklichen oder ernährungsphysiologischen Vorteile, aber mögliche Unterschiede in der Produktkonsistenz.

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Gouda: billigerer Käse mit höherem Tierschutz?

Bei zwei Gouda-Varianten von Edeka klafften Preis und Argumentation auseinander: Eine Packung kostete 99 Cent, die andere 1,79 Euro – pro Kilo ergab das einen Unterschied von rund 3,63 Euro.

Auf den Etiketten fanden sich verschiedene Siegel. Während die teurere Sorte eine geschützte geografische Angabe (z. B. Verarbeitung in einer bestimmten Region) aufwies, trug die günstigere Variante ein weitergehendes Weide- beziehungsweise Fütterungssiegel, das etwa genfreies Futter vorschreibt. Kurz gesagt: niedrigerer Preis heißt nicht automatisch geringere Tierwohl-Standards.

Kondensmilch: erheblicher Aufpreis ohne klaren Mehrwert

Beim letzten Vergleich lag der Aufpreis für die Rewe-„Beste Wahl“-Kondensmilch bei etwa 120 Prozent gegenüber dem „ja!“-Produkt. Auch hier waren geschmackliche Unterschiede für den Testkoch nicht deutlich genug, um den hohen Preisunterschied zu rechtfertigen.

Produkt Marken Preisunterschied Wesentliche Beobachtung
Hühnernudelsuppe ja! vs. Beste Wahl (Rewe) ≈ 0,40 € (≈ 21 %) Gleicher Hersteller, kaum geschmackliche Abweichung
Tiefkühl-Himbeeren Edeka günstige vs. teure gering Nährwerte identisch; günstigere Packung wurde schneller matschig
Gouda Edeka Eigenmarken 0,99 € vs. 1,79 € (Δ ≈ 3,63 €/kg) Teurere Sorte mit geografischem Hinweis; günstigeres Produkt trug weitergehende Tierschutzkennzeichnung
Kondensmilch ja! vs. Beste Wahl (Rewe) Premium ≈ 120 % teurer Kein klarer sensorischer Vorteil für die teurere Variante

  • Gleicher Hersteller heißt oft ähnliche Qualität: Labeling und Verpackung können Preise stark strecken, ohne dass sich der Inhalt deutlich unterscheidet.
  • Preise sagen nichts über Tierwohl: Ein höherer Preis garantiert nicht automatisch bessere Haltungsbedingungen – genaues Prüfen der Siegel lohnt sich.
  • Haltbarkeit und Verarbeitung zählen: Bei verarbeiteten oder tiefgekühlten Lebensmitteln können Unterschiede in Lagerung und Verpackung die praktische Qualität beeinflussen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher heißt das: Preise sollten nicht blind als Qualitätsindikator dienen. Ein kurzer Blick auf Zutatenliste, Herkunftsangaben und Siegel sowie ein kritischer Vergleich können helfen, Geld zu sparen oder bewusst höhere Standards zu wählen.

Unsere Untersuchung macht deutlich, dass der Mehrpreis mancher Eigenmarken nicht immer gerechtfertigt ist – und dass sich gute Entscheidungen im Supermarkt vor allem an konkreten Merkmalen und nicht an Markenversprechen orientieren sollten.

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