Kurz vor der WM-Eröffnung am 11. Juni rückt das ZDF die Karriere von Rudi Völler noch einmal ins Rampenlicht: Eine neue Folge der Reihe beleuchtet den Stürmer, Trainer und Funktionär – und erklärt, warum seine Geschichte gerade jetzt wieder relevant ist. Das Porträt zeigt nicht nur sportliche Höhepunkte, sondern auch die Kontroversen, die sein Image geprägt haben.
Vom Torjäger zum Gesicht des Teams
Geboren 1960 in Hanau, arbeitete Völler sich von regionalen Vereinen wie Offenbach und 1860 bis in die internationale Spitze hoch. Stationen wie Werder Bremen und später AS Rom prägten seine Laufbahn; insgesamt stehen 315 Pflichtspieltreffer zu Buche, davon 47 in 90 Länderspielen für Deutschland. Im WM-Finale 1990 in Rom war er an der Entstehung des entscheidenden Elfmeters beteiligt, den Andreas Brehme verwandte.
Spieler und Weggefährten kommen in der Dokumentation zu Wort: Namen wie Sepp Maier, Thomas Berthold und Klaus Augenthaler liefern Erinnerungen und Einschätzungen aus erster Hand. Zusammengenommen entsteht das Bild eines Stürmers, der technisch versiert war, Räume las und oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort stand – ein typischer „Abstauber“, der zugleich robuste Zweikämpfe scheute.
Seine Art auf dem Platz war nicht nur effektiv, sondern erinnerungswürdig: enge Dribblings, ein schneller Abschluss und die Fähigkeit, Spiele zu entscheiden. Das machte ihn in Italien zum Publikumsliebling; die Presse nannte ihn mitunter den „fliegenden Deutschen“, in fünf Jahren in der Serie A erzielte er 68 Tore.
Streitbare Figur mit hohem Wiedererkennungswert
Privat und öffentlich wirkte Völler oft ungefiltert. Auf dem Platz führte das gelegentlich zu Ausbrüchen: Im Achtelfinale gegen die Niederlande kam es zu einem Vorfall mit Frank Rijkaard, der in eine Rudelbildung und Platzverweise mündete. Solche Szenen trübten seinen Ruf kaum; seine Beliebtheit blieb weitgehend ungebrochen.
Auch abseits des Rasens sorgte Völler wiederholt für Schlagzeilen. Nach einem enttäuschenden WM-Qualifikationsspiel 2003 geriet er mit dem Moderator Waldemar Hartmann aneinander, reagierte scharf auf die Medienkritik und zog sich später für eine Bemerkung über Hartmanns Haltung eine Entschuldigung zurück. Die Doku rekonstruiert diese Episoden ohne Beschönigung und lässt Beteiligte zu Wort kommen.
Seinen Freunden und Fans gilt Völler bis heute als zugänglich und umgänglich – Eigenschaften, die ihm den Spitznamen „Tante Käthe“ eingebracht haben, ein spöttischer, aber auch liebevoller Verweis auf seine Frisur und sein Auftreten.
Was die Zuschauer jetzt interessiert: Wie prägt ein Mann mit dieser Geschichte die heutige Nationalmannschaft, in der er als Sportdirektor eine zentrale Rolle spielt? Die Sendung liefert Einordnungen, die über reine Nostalgie hinausgehen und Verbindungen zur Gegenwart herstellen.
Terra X History: Rudi Völler – Eine deutsche Fußball-Legende läuft am Sonntag, 7. Juni, um 23:45 Uhr im ZDF. Für Fans und Fußballinteressierte bietet die einstündige Doku einen kompakten, kritisch-nahen Blick auf eine prägende Figur der deutschen Fußballgeschichte.
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Jonas Reichert ist ein leidenschaftlicher TV-Kritiker, der die neuesten Shows und Serien analysiert. Mit Fachwissen und Humor bringt er seinen Lesern die faszinierende Welt des Fernsehens näher.
