Eine neue Analyse aus Canberra zeigt: Menschen lieben auf deutlich unterschiedliche Weise – und das hat Folgen für Partnerschaften, Medien und Paarberatung. Die Studie ordnet Verliebtheitsmuster in vier Typen und erklärt, warum diese Unterscheidung gerade jetzt relevant ist.
Forscher der Australian National University (ANU) werteten Daten aus der „Romantic Love Survey 2022“ aus; die Ergebnisse wurden 2025 im Fachjournal Personality and Individual Differences publiziert. Insgesamt flossen Angaben von mehr als 1.500 jungen Erwachsenen ein, für die Auswertung blieben rund 800 Fälle aus 33 Ländern übrig. Die Untersuchung zeigt, wie Gewohnheiten und Persönlichkeitsmerkmale das Liebesleben prägen.
Vier Profile statt eines einzigen Liebesbilds
Statt einer gemeinsamen Norm identifizierte das Forschungsteam vier klar unterscheidbare Muster: eine große Gruppe mit ausgeglichener Nähe, eine besonders intensive, eine sehr zurückhaltende und eine sexuell stark ausgeprägte Gruppe. Die Verteilung ist nicht zufällig: Mehr als 40 Prozent zählen zu den sogenannten moderaten Liebenden, etwa 29 Prozent zu den intensiven, rund 20 Prozent zu den milden und knapp unter zehn Prozent zur libidinösen Gruppe.
- Warum das wichtig ist: Die Einordnung beeinflusst Erwartungen an Beziehungen, die Wahrscheinlichkeit von Konflikten und kann erklären, warum Paare unterschiedlich auf typische Beziehungsphasen reagieren.
- Lebensstil-Kopplungen: Schlafmuster, Kaffeekonsum, Risikoverhalten und Berufseinstellung traten als verbundene Verhaltensmerkmale auf.
Kurzprofil: Die vier Typen
| Typ | Anteil | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Moderat | über 40 % | ausgeglichene Sexualität, starke Bindungsbereitschaft, wenige obsessive Gedanken |
| Intens | 29 % | starkes Verliebtsein, hohe Sexfrequenz, mehr Frauen in dieser Gruppe |
| Mild | ca. 20 % | geringe emotionale Intensität, seltene sexuelle Aktivität, spätes Verlieben |
| Libidinös | unter 10 % | sehr hohe sexuelle Aktivität (Durchschnitt deutlich über dem Mittel), erhöhte Reiselust und Konsumneigungen |
Was die Typen praktisch bedeuten
Die moderaten Liebenden gelten als am sozial vertrautesten: Sie verbinden Sexualität und Bindung in einem stabilen Verhältnis. Das Forscherteam beobachtete, dass in dieser Gruppe mehr Männer vertreten waren und weniger Kinder gemeldet wurden.
Die intensiven Liebenden erleben Gefühle und Sexualität deutlich stärker. Die Studie beschreibt sie als sehr hingebungsvoll und öfter von wiederkehrenden Gedanken an den Partner geprägt. Auffällig: Hier lag der Frauenanteil bei rund 60 Prozent.
Der milde Typ zeigt wenig Begeisterung in romantischen Fragen. Personen in dieser Kategorie waren insgesamt zufriedener mit ihrem Leben, fühlten sich aber häufiger unsicher, ob die Beziehung wirklich auf Gegenseitigkeit beruht.
Die libidinösen Partner fielen durch außerordentlich hohen Sextrieb auf — in Einzelfällen nannten Teilnehmende bis zu 20 sexuelle Kontakte pro Woche. Zugleich zeigen sie tendenziell höhere Ausgaben für Reisen und einen höheren Zigarettenkonsum.
Wichtige Begriffe
- Romantische Liebe: In der Studie als mehrdimensionale Erfahrung verstanden, nicht nur als Gefühl.
- Libidinös: Fachsprachlich für stark sexualisierte, triebhafte Muster.
- Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit: Persönlichkeitsmerkmale, die in bestimmten Typen häufiger vorkamen.
Folgen für Beratung, Datingkultur und Medien
Die Einteilung hilft Paartherapeuten und Beratern, Erwartungen realistischer einzuschätzen: Was bei einem intensiven Partner normal ist, kann bei einem milden zu Unsicherheit führen. Ebenso erklärt die Studie, warum bestimmte Liebesgeschichten in New-Adult-Romanen oder auf Social-Media-Plattformen Anklang finden — sie spiegeln lediglich unterschiedliche Typen wider.
Aus gesellschaftlicher Perspektive wirft die Untersuchung Fragen auf: Inwiefern lassen sich Familienplanung, Sexualaufklärung oder Beziehungsarbeit an solche Unterschiede anpassen? Die Autorinnen und Autoren sehen Potential für weiterführende Forschung, gerade mit Blick auf Kulturunterschiede und die Rolle digitaler Medien.
Adam Bode von der ANU, einer der Leitautoren, fasst zusammen, dass nicht alle Menschen gleich lieben; manche erleben Liebe sehr körperlich, andere eher emotional oder zurückhaltend. Diese Vielfalt sollte in Beratung und öffentlicher Debatte stärker berücksichtigt werden.
Dieser Beitrag erschien erstmals im März 2025.
Ähnliche Artikel
- Alkohol: tägliche Obergrenze, die Gewichtszunahme verhindert
- Autismusrisiko steigt bei früher und langer Bildschirmnutzung: Studie fordert Begrenzung
- Tatort führt die Quoten klar: Traumschiff büßt Zuschauer ein
- Food-Trend 2024: Leckere Pistazienbutter einfach selbst gemacht!
- Orangensaft bis 54% teurer: Warum Verbraucher jetzt deutlich mehr zahlen

Johanna Feldner ist Paartherapeutin und bietet praktische Ratschläge, um Beziehungen stark und harmonisch zu halten. Sie glaubt, dass Kommunikation der Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft ist.
