Christina Diamantis berichtet aus eigener Erfahrung: Sie war Opfer partnerschaftlicher Gewalt und warnt heute vor einem wiederkehrenden Muster in narzisstischen Beziehungen. Ihre Botschaft gewinnt an Dringlichkeit, weil offizielle Zahlen und Studien zeigen, dass Gewalt gegen Frauen derzeit weiterhin auf hohem Niveau bleibt.
Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte für 2024 in Deutschland knapp 266.000 betroffene Frauen im Kontext häuslicher Gewalt – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Weltweit schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass etwa jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens körperlicher oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt ist. Parallel dazu deuten psychologische Untersuchungen darauf hin, dass bestimmte Persönlichkeitsmuster, darunter ausgeprägter Narzissmus, das Risiko für Kontrolle und Missbrauch in Partnerschaften erhöhen können.
Als Paar- und Einzeltherapeutin, Autorin und Podcasterin begleitet Diamantis Frauen, die Gewalt erlebt haben. Sie kritisiert, dass reines Fachwissen oft nicht ausreicht, um Betroffene wirkungsvoll zu schützen oder sie aus destruktiven Beziehungen zu führen. Ihre Arbeit zielt darauf ab, Betroffene beim Verstehen der Dynamik, beim emotionalen Verarbeiten und beim Abbau von Selbstvorwürfen zu unterstützen.
Das typische „Drehbuch“ narzisstischer Beziehungen
- Charm-Phase (Love‑bombing): Intensive Zuwendung, schnelle Verliebtheitsbekundungen und das Gefühl, „die große Liebe“ gefunden zu haben.
- Schnelle Bindung: Rasches Vorantreiben gemeinsamer Entscheidungen, oft verbunden mit Druck zur Vertrautheit.
- Kontrolle und Isolation: Verhalten, das Nähe und Kontakte zu Freunden oder Familie einschränkt – subtil oder offen.
- Gaslighting: Wiederholte Verunsicherung durch Leugnen, Verdrehen von Tatsachen und das Infragestellen der eigenen Wahrnehmung.
- Abwertung und Schuldzuweisung: Wertmindernde Kommentare, die Selbstwert schwächen und Verantwortung abwälzen.
- Eskaliertes Verhalten: Wenn verbale und psychische Gewalt nicht stoppen, kann es zu körperlicher oder sexualisierter Gewalt kommen.
Diamantis betont, dass nicht jede narzisstische Persönlichkeit automatisch gewalttätig wird, wohl aber viele der oben beschriebenen Mechanismen in missbräuchlichen Beziehungen zu beobachten sind. Für Betroffene ist diese Abfolge gefährlich, weil sie das Selbstbild untergräbt und Auswege erschwert.
Welche Folgen hat das konkret? Psychische Langzeitfolgen reichen von Angststörungen über Depressionen bis zu posttraumatischen Belastungen. Praktisch können Isolation und Kontrolle Betroffenen den Zugang zu Hilfe erschweren; darum ist frühes Erkennen wichtig.
Was Betroffene und Angehörige tun können
Aus Sicht von Fachkräften wie Diamantis helfen einige Grundschritte, um Situationen zu ändern oder besser einzuordnen:
- Vertrauliche Gespräche mit Therapeutinnen, Beratungsstellen oder vertrauten Personen suchen.
- Vorfälle dokumentieren (Datum, Verhalten, Zeugen) — das schafft Orientierung und kann rechtlich relevant werden.
- Grenzen setzen und, wenn nötig, räumliche Distanz herstellen; Sicherheit hat Vorrang.
- Notfallkontakte bereithalten und im Ernstfall Polizei oder spezialisierte Hilfsangebote einschalten.
Diamantis appelliert an die Öffentlichkeit und Fachstellen, das Thema ernst zu nehmen: Theoretische Kenntnisse müssen in erreichbare Hilfe übersetzt werden. Für Leserinnen und Leser heißt das: aufmerksam sein, Muster erkennen und – wenn nötig – Hilfe organisieren, bevor sich die Lage zuspitzt.
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Johanna Feldner ist Paartherapeutin und bietet praktische Ratschläge, um Beziehungen stark und harmonisch zu halten. Sie glaubt, dass Kommunikation der Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft ist.
