Aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass viele Beziehungen am Arbeitsplatz beginnen oder gefährdet werden – und bestimmte Berufsgruppen dabei auffällige Muster zeigen. Warum das gerade heute relevant ist: Längere Präsenzzeiten im Job, veränderte Arbeitszeiten und hybride Modelle verändern, wie Nähe entsteht und welche Risiken Partnerschaften tragen.
Mehrere Onlinebefragungen, darunter eine repräsentativ angelegte Erhebung unter 1.000 Berufstätigen sowie Auswertungen von Dating‑Plattformen, liefern Zahlen, die das Phänomen belegen: Ein großer Teil der Befragten berichtet von Flirts, Küssen oder sexuellen Fantasien gegenüber Kolleginnen und Kollegen. Diese Ergebnisse zeigen, dass der Arbeitsplatz für viele Menschen weiterhin ein zentraler Ort für intime Begegnungen ist.
Der in Bern praktizierende Paartherapeut Klaus Heer ordnet das so ein: Wer tagsüber viel Zeit mit anderen verbringt und gemeinsam an Zielen arbeitet, bildet zwangsläufig emotionale Bindungen. Das mache berufliche Beziehungen nicht automatisch problematisch, erhöhe aber die Wahrscheinlichkeit für Annäherungen — vor allem dann, wenn Stress, Zeitdruck oder unregelmäßige Dienstzeiten hinzukommen.
Welche Branchen werden in Umfragen am häufigsten genannt?
Vorsicht ist geboten: Viele Erhebungen beruhen auf Nutzerbefragungen und sind nicht immer repräsentativ. Dennoch zeichnen sich wiederkehrende Muster ab — einige Berufsgruppen tauchen in mehreren Auswertungen auffällig häufig auf.

- Handwerk/Bau: In einer Untersuchung unter verheirateten Männern entfiel ein hoher Anteil der Nennungen auf handwerkliche Berufe; als mögliche Gründe werden Schichtarbeit, häufige Abwesenheit von Zuhause und ein ausgeprägtes Kameradschaftsgefühl genannt.
- Medizinisches Personal (Ärztinnen, Pflegekräfte): Langes Arbeiten, hoher Stress und unregelmäßige Dienste werden als Faktoren genannt, die intime Kontakte außerhalb der Partnerschaft wahrscheinlicher machen.
- Start‑ups und Gründer: In Gründerteams sehen Studien gehäuftes Beziehungsnetzwerk und ein Klima, in dem Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem verschwimmen.
- Flugpersonal: Piloten und Kabinenpersonal werden in Umfragen ebenfalls öfter genannt — Gründe sind starker Kundenkontakt, häufige Reisen und eine erhöhte Aufmerksamkeit für Erscheinungsbild.
- Finanzsektor: Bank‑ und Börenumfelder erscheinen in mehreren Auswertungen prominent; hier werden Status, Nähe zu Macht und Netzwerkdynamiken als mögliche Erklärungen diskutiert.
Warum diese Unterschiede entstehen könnten
Arbeitszeiten und Arbeitsformen sind Schlüsselfaktoren: Wer in Schichten arbeitet, oft unterwegs ist oder sehr enge Teams bildet, verbringt mehr intensive Zeit mit denselben Menschen. Solche Umstände schaffen Gelegenheit und Nähe — zwei Voraussetzungen, die Beziehungen befördern können.

Hinzu kommt die Rolle von Stress und Erschöpfung: Manche Befragte geben an, weil sie zu Hause wenig Erholung finden, außerhalb der Beziehung Bestätigung oder Ablenkung zu suchen. Auch die Selbstselektion spielt eine Rolle: Branchen mit hoher Mobilität oder sozialer Interaktion ziehen Menschen an, die offener für intensive Beziehungen im Arbeitsumfeld sind.
Wichtig zu wissen: Methodische Grenzen
Die Zahlen stammen teilweise aus Nutzerbefragungen von Dating‑Plattformen und Onlineumfragen, die Verzerrungen durch Selbstselektion, Kultur‑ und Auswahl‑Bias enthalten können. Sie erlauben Hinweise auf Trends, aber keine belastbaren Aussagen über alle Beschäftigten einer Branche.
Was das für Arbeitgeber und Paare bedeutet
Für Firmen sind klare Regelungen, Weiterbildung zu professionellem Verhalten und vertrauliche Beratungsangebote wichtige Elemente, um Konflikte zu vermeiden. Paare sollten offen über Bedürfnisse und Erwartungen sprechen — Untreue hat für betroffene Beziehungen erhebliche Folgen.
Kurzfristig bleibt: Das Thema betrifft nicht nur Einzelschicksale, sondern hat auch organisatorische Konsequenzen — von Fehlzeiten über Konfliktmanagement bis hin zu Haftungsfragen. Gerade in Zeiten, in denen Arbeitsformen sich ändern, lohnt es sich für Personalverantwortliche und Paare gleichermaßen, die Dynamiken am Arbeitsplatz ernst zu nehmen.
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Johanna Feldner ist Paartherapeutin und bietet praktische Ratschläge, um Beziehungen stark und harmonisch zu halten. Sie glaubt, dass Kommunikation der Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft ist.
