Die wahrste Verkleidung offenbart oft die Realität
Obwohl Halloween gerade erst hinter uns liegt, fängt die Zeit der Kostüme eigentlich jetzt erst richtig an. Unser Autor, der normalerweise wenig von Verkleidungen hält, entdeckt zwischen einem Medusa-Kostüm und einer Hommage an Grace Jones: Eine gut inszenierte Verwandlung kann durchaus bereichernd sein.
Der junge Mann im bodenlangen, schwarzen Umhang war so verärgert, dass er schnell die Dracula-Zähne aus seinem Mund zog. „Sie hat aber mehr bekommen! Das ist unfair“, beschwerte er sich, während er auf seine als Hexe verkleidete Schwester deutete und seinen Süßigkeiteneimer vor uns hielt, um noch ein Mini-Twix zu erhalten. Ich saß vor der Buchhandlung meiner Freundin J., die vorsorglich einen großen Vorrat an Süßigkeiten angelegt hatte.
Wer als Geschäftsinhaber zu Halloween ohne Süßigkeiten dasteht, sieht sich den ganzen Nachmittag und frühen Abend mit ungläubigen Kinderaugen konfrontiert – oft umgeben von gruseligen Kostümen, geschmückt mit aufgemalten Narben und Wunden, Sensen aus Alufolie und mehr.
Es war eine faszinierende Sozialstudie: Einige Kinder flüsterten „Süßes oder Saures“ so leise, dass ihre Mütter sie ermutigen mussten, ein als Mittwoch Addams verkleidetes Mädchen starrte uns ernst an und stahl dabei Sticker, die auf der Theke lagen – und manchmal sahen Eltern in ihrer Alltagskleidung erschreckender aus als ihre kostümierten Kinder.
Um Bonbonpapierhaufen zu vermeiden, hatte die Stadtverwaltung ihre „Haltet den Kiez sauber“-Kampagne beworben. „Wo mein To-Go-Becher mehr Wege als nur Einweg kennt“, ließen sie eine tätowierte Frau sagen. Das klingt nicht besonders authentisch, aber was soll’s, wie der Berliner sagt.
„Ihr werdet zu Stein erstarren …“ – Heidi Klum enthüllt ihr Halloween-Kostüm
Heidi Klum hat ihr Versprechen eingehalten: Ihr Kostüm sollte dieses Jahr besonders unheimlich sein, wie sie als „Königin von Halloween“ ankündigte. In der Nacht zum Samstag erschien sie auf ihrer legendären Party in New York als mythisches, monströses Schlangenwesen Medusa.
Die Kampagne läuft bereits seit einiger Zeit, und offensichtlich hat sie auch Heidi Klum zum Nachdenken angeregt. Seit Jahrzehnten sind die Eintrittskarten für ihre Halloween-Party in New York so begehrt, wie es früher der bevorzugte Einlass in das Studio 54 war. Ein wesentlicher Bestandteil von „Heidi’s Halloween“: Die Gäste müssen sich ins Zeug legen. Es ist ein alljährlicher Überfluss an Kunstnasen, Theater-Make-up und verstümmelten Körpern aus Kunststoff. Dieses Jahr setzte die Entertainerin allerdings einen anderen Akzent.
Sie verkleidete sich als die griechische Horrorfigur Medusa, und obwohl die ferngesteuerten Schlangen auf ihrem Kopf sich windeten, ähnelte ihr Kostüm dem berühmten Wurmkostüm von 2022 verdächtig. Bei einer Perfektionistin wie Klum kann das kein Zufall sein. Warum ein Kostüm nur einmal tragen, dachte sie wahrscheinlich, wenn man es umfärben und neu interpretieren kann – das ist mindestens so nachhaltig wie eine Sammlung von Sportwagen.
Die beeindruckendste Verwandlung teilte kürzlich das Männermodel Alton Mason auf Instagram. Zusammen mit der Fotografin Raphaele Sohier inszenierte er berühmte Fotos von Grace Jones nach, einschließlich des Covers ihres Greatest-Hits-Albums „Island Life“. Die roten Stulpen, die glänzende Haut, der freche und wahrscheinlich unrealistische Oberkörper, die scheinbar mühelose, dabei fast unmögliche Pose – nur Grace Jones selbst könnte Grace Jones besser sein.
Im Gegensatz zur Verwandlungskünstlerin Alexis Stone, die regelmäßig täuschend echt als Prominente verkleidet auf Modenschauen erscheint (zuletzt bei Boss als Mona Lisa), bleibt Mason erkennbar er selbst und verwandelt sich dennoch in eine andere Figur. Diese liebevolle Nutzung der beginnenden Verkleidungssaison könnte tatsächlich eine Bereicherung sein.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.