Design-Revolution durch Glaubensgemeinschaft: Entdecke ihre Instagram-tauglichen Kreationen!

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Von : Larissa Vogler

Wie eine kleine Glaubensgemeinschaft die Designwelt prägte – highly instagrammable

Der prägende Einfluss einer kleinen Glaubensgemeinschaft auf das moderne Design – ein Instagram-Hit

Die Shaker verbanden ihre tiefen religiösen Überzeugungen mit einer klaren ästhetischen Linie, die den Weg für den Minimalismus ebnete und die moderne Gestaltung langfristig beeinflusste. Ihr Einfluss ist bis heute spürbar, von Ikea bis hin zu Manufactum. Eine neue Ausstellung widmet sich jetzt dieser bemerkenswerten Religionsgemeinschaft und ihrem kulturellen Erbe.

Wussten Sie, dass die Shaker den modernen Flachbesen erfunden haben? Diese Innovation wurde erstmals 1798 in Watervliet, New York, einer der ersten Shaker-Niederlassungen, von Bruder Theodore Bates realisiert. Er entwickelte eine Vorrichtung, um Hirsehalme zu pressen und zu nähen – eine bedeutende Abkehr von den bis dahin üblichen runden Besenformen.

Ein weiteres bekanntes Produkt, die bedruckten Saatguttüten aus Papier, die heute jedem aus Gartencentern bekannt sind, stammen ebenfalls von den Shakern. Schon im Jahr 1807 verkauften sie sieben Tonnen Saatgut, präsentiert in wunderschön gestalteten Verkaufskisten, wie sie in der Ausstellung „Die Shaker. Weltenbauer und Gestalter“ im Vitra Design Museum zu sehen sind.

Die langen Sprossenbänke, die heute in vielen ländlichen Häusern von Schwarzwald bis Uckermark zu finden sind, haben zwar ihre Wurzeln in den britischen Windsor-Möbeln, wurden jedoch von den Shakern für ihre Andachten weiterentwickelt. Eine vier Meter lange Bank, die etwa 1855 für ein Versammlungshaus in New Hampshire entworfen wurde, begrüßt die Besucher der Ausstellung.

In der aktuellen Schau versuchen das Vitra Design Museum gemeinsam mit dem Milwaukee Art Museum und dem Institute of Contemporary Arts der University of Pennsylvania zu ergründen, wie es einer Glaubensgemeinschaft mit nur etwa 6000 Mitgliedern zur Blütezeit gelang, einen derart nachhaltigen Einfluss auf nachfolgende Generationen von Designern, Handwerkern und Architekten auszuüben. Sie fragen nach der soziokulturellen Basis ihrer gestalterischen Arbeit und wie diese mit der restlichen amerikanischen Gesellschaft interagierte.

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„Die Shaker sind die Gründerväter der USA in vielerlei Hinsicht. Sie haben nicht nur Siedlungen, sondern auch Philosophien geschaffen, die bis heute Bestand haben“, erklärt Museumsdirektor Mateo Kries. „In Europa sind sie vielleicht nicht so bekannt wie in den USA, aber jeder Designer und Architekt, mit dem man spricht, kennt sie.“

Im Jahr 1774 kamen die Shaker unter der Führung der charismatischen Ann Lee von Großbritannien an die amerikanische Ostküste, wo sie zölibatäre, streng egalitäre Gemeinschaften gründeten. Sie produzierten die meisten ihrer benötigten Güter selbst und folgten dabei strengen Prinzipien wie „Mach jedes Produkt besser, als es je zuvor gemacht wurde“ und „Die Hände zur Arbeit, die Herzen zu Gott“. Ihr Glaube an Gott und an Perfektion bestimmte somit jeden Aspekt ihres Alltags.

Kompromisslose Qualität, präzise Proportionen

Diese spirituelle und praktische Strenge führte zu Möbeln und Bauwerken, die einen festen Kanon von kompromissloser Qualität, präzisen Proportionen und standardisierter Serienfertigung befolgten, was die Gleichheit innerhalb der Gemeinschaft sicherte. Bald fanden diese zeitlosen Formen auch außerhalb der Glaubensgemeinschaft Anhänger. Die Shaker wurden zu Produzenten und Händlern, die beträchtliche Gewinne nicht nur mit ihren Möbeln, sondern auch mit landwirtschaftlichen Produkten, Kleidung und Medizin erzielten, welche wiederum die Finanzierung ihrer Gemeinden unterstützten.

Ende des 19. Jahrhunderts begannen die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen der Shaker durch die fortschreitende Industrialisierung und Urbanisierung der USA zu erodieren. Aufgrund fehlender natürlicher Nachfolge und sinkender Mitgliederzahlen lösten sich die meisten ihrer Siedlungen bis Mitte des 20. Jahrhunderts auf. Heute leben die letzten beiden Shaker mit ihren 70 Schafen und vier Kühen im Sabbathday Lake Shaker Village in Maine.

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Die Ausstellung präsentiert die Entwürfe und Erfindungen der Shaker vor pastellfarbenen Stoffbahnen und auf Holzpodesten, die an das reduzierte Design der Shaker angelehnt sind. Fotos ihrer Bauten ergänzen die Präsentation. Die Exponate vermitteln eine klare Botschaft: Hier beginnt die gestalterische Gegenwart. Manchmal ist diese Botschaft sehr direkt, wie bei der traditionellen Shaker-Hakenleiste, die als Blaupause für ein millionenfach verkauftes Produkt diente – die Garderobe „Hövolm“, die man heute für 14,99 Euro in jeder Ikea-Filiale kaufen kann.

Entschleunigung im Shaker-Stil

Das internationale Vademecum dieser Einrichtungswelle ist das US-amerikanische Magazin „Kinfolk“, das sich als Blaupause für einen ausbalancierten, bewussten Lebensstil versteht. Im Zentrum stehen Werte wie Entschleunigung, Authentizität und Naturverbundenheit. Die typischen Bildwelten zeigen helle, ruhige Räume mit schlichten Holzmöbeln, handgefertigten Keramiken, Leinenstoffen und viel leerem Raum, ähnlich den Innenaufnahmen aus den Shaker-Häusern, die im Ausstellungskatalog zu sehen sind.

„Die Shaker. Weltenbauer und Gestalter“, Vitra Design Museum in Weil am Rhein, bis 28. September

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