Mehr maskuline Energie: Ist sie wirklich notwendig für uns?

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Von : Larissa Vogler

Brauchen wir wirklich mehr maskuline Energie?

Ist mehr männliche Energie notwendig?

Mark Zuckerberg und andere einflussreiche Männer plädieren verstärkt für mehr Aggressivität und Wettbewerbsgeist, was Bedenken bei progressiven Kräften auslöst. Ein Experte für Männlichkeitsforschung warnt ebenso vor einer möglichen Gegenbewegung.

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Als Mark Zuckerberg zusammen mit Kommilitonen in Harvard ein soziales Netzwerk entwickelte, das später als Facebook bekannt werden sollte, war er körperlich eher schmächtig und blass. Trotzdem war er nicht ganz unsportlich, denn zuvor hatte er als Kapitän die Schulfechtmannschaft angeführt. Doch Fechten fordert mehr Geschicklichkeit und Eleganz als rohe Kraft. Jeder leichte Treffer mit dem Florett führt zu einer kurzen Pause.

Vor etwa 20 Jahren begann dies alles. Heute ist der Gründer von Facebook müde seiner einstigen körperlichen Schwäche. Durch intensives Kampfsporttraining ist sein Körper nun stählern und muskulös, seine Haare länger. Wie ein Jugendlicher, der sich Raum und Gehör verschaffen möchte, ruft auch er laut: Wir benötigen mehr maskuline Energie! Offenbar weil er selbst nun davon überzeugt ist, sie zu besitzen.

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Die Transformation dieses einflussreichen Technik-Nerds symbolisiert den scheinbaren Umschwung, den der Diskurs über Männlichkeit in der Öffentlichkeit nimmt. In den letzten zehn Jahren haben Feministinnen und fortschrittliche Männer intensiv daran gearbeitet, dem männlichen Geschlecht archaische Verhaltensmuster abzugewöhnen. Der Begriff „toxische Männlichkeit“, der das Festhalten an überkommenen Denk- und Verhaltensweisen beschreibt, hat sich in der Popkultur etabliert und durchdringt alle gesellschaftlichen Bereiche.

Sogar die Art, wie Männer in der Öffentlichkeit sitzen (breitbeinig oder mit überschlagenen Beinen?) oder sprechen (laut oder zurückhaltend?) wurde plötzlich hinterfragt. Die Reaktionen der Männer darauf waren sehr unterschiedlich. Einige nahmen die neuen Töne bereitwillig an und zeigten sich geläutert, während andere versuchten, durch lautes Krächzen und Räuspern die neue Melodie zu stören.

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Frauen im Militär: Ein Schritt zurück zu alten Stereotypen?

Dieses laute Krächzen und Räuspern hat in den letzten Monaten zugenommen. Mark Zuckerberg, mit einer Goldkette um den Hals, sprach kürzlich in einem Podcast des amerikanischen Superstars Joe Rogan davon, am Arbeitsplatz mehr Testosteron freisetzen zu wollen: „Ein Großteil der Unternehmenswelt ist kulturell ziemlich kastriert“, so der Chef von Meta in dem fast dreistündigen Interview.

„Die Gesellschaft könnte davon profitieren, aber ich denke, eine Kultur, die Aggression ein wenig mehr feiert, hat ihre eigenen Vorteile, die wirklich positiv sein können“, fügte er hinzu. Hart gesprochen für jemanden, der sonst so spielerisch wirkt, wenn er sich vorsichtig mit einer übergroßen KI-Brille durch den Raum bewegt. Doch das regelmäßige Treffen mit seinen männlichen Kampfsportfreunden hat ihn dazu gebracht, seine Beziehung zur Männlichkeit neu zu definieren, erklärt Zuckerberg.

Es ist allerdings gewagt, allein von Zuckerberg – so unfassbar reich und einflussreich er auch sein mag – auf ein sich wandelndes Männerbild zu schließen. Doch er ist nicht allein; viele prominente Persönlichkeiten teilen ähnliche Ansichten. Zum Beispiel der neue Verteidigungsminister unter Trump, Pete Hegseth, äußerte sich dahingehend, dass er Frauen nicht im Kampfeinsatz sehen möchte: „Das hat uns nicht tödlicher gemacht“, sagte er einst.

Das Militär sei verweichlicht, und was jetzt benötigt werde, sei eine neue „Kriegskultur“. Bei der Senatsanhörung Anfang des Jahres zeigte er sich zwar versöhnlicher, indem er betonte, er wolle lediglich die körperlichen Standards für Frauen nicht herabsetzen. Der Eindruck blieb jedoch bestehen: Dieser Mann, selbst einst Soldat, scheint Frauen nicht für fähig zu halten, sein Land zu verteidigen.

Zuckerberg und Hegseth – ganz zu schweigen von Trump und Musk. Auch im popkulturellen Raum, tief verwurzelt in den sozialen Medien, erleben klassisch dominante Männer einen Aufschwung. Sie präsentieren ihre Körper, prahlen mit Bitcoin-Gewinnen und lassen keinen Zweifel daran, dass sie bereit sind, ihre Einflussnahme noch deutlicher zu machen. Nutzt man die Sprache der Verträge, könnte man sagen: Progressive und feministische Errungenschaften werden gerade rückgängig gemacht.

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Die scheinbare Dominanz der woken Kultur war nie so stark, wie es manche erhofft, andere befürchtet haben

Paul Scheibelhofer,Männlichkeitsforscher

„Die Perspektiven, die auf Inklusion und Diversität setzen, hatten schon einmal mehr Raum als jetzt“, stellt Männlichkeitsforscher Paul Scheibelhofer von der Universität Innsbruck fest. „Mir zeigt das, dass die vermeintliche Dominanz der woken Kultur nie so stark war, wie manche gehofft oder andere befürchtet haben. Die Gründe für diese gesellschaftliche Veränderung sind vielfältig, aber es ist durchaus plausibel, dass einer der Gründe die vielfältigen Krisen sind. Die Hau-drauf-Männlichkeit scheint da ein verlockendes Angebot zu sein.“

Scheibelhofer macht keinen Hehl daraus, dass er diese Entwicklung besorgniserregend findet. Er ist überzeugt, dass es den Männern selbst zugutekommt, wenn sie nicht nur das Klischee der Dominanz und Stärke bedienen müssen, sondern auch Sanftheit zulassen dürfen.

War das neue Männlichkeitskonzept wirklich liberal?

Diese Position wurde in den letzten Jahren häufig im progressiven Umfeld vertreten und ist gut etabliert. War die Neudefinition von Männlichkeit wirklich so liberal? Früher als feminin betrachtete Eigenschaften wurden plötzlich akzeptiert, das ist klar, aber „klassische“ Männlichkeitsattribute wie Aggressivität waren nun, ganz ehrlich, kategorisch verpönt.

Aggressivität (lat. für heranschreiten) muss dabei nicht zwangsläufig jemandem schaden. Eine gewisse Form von Aggressivität wird jeden Tag benötigt, um morgens aufzustehen oder in einen Apfel zu beißen. Meinte Zuckerberg das vielleicht, als er bei Joe Rogan polterte? Dann wäre das legitime Spektrum von Männlichkeit nicht erweitert, sondern einfach nur verschoben worden.

Scheibelhofer: „Angesichts der vielen Probleme, die dominante Männlichkeit auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene bereitet, ist Kritik daran wichtig. Aber die kritischen Stimmen in diesem Diskurs können natürlich in die Falle tappen, schnell in richtig oder falsch einzuteilen. Dann glaubt man, man kennt alle Lösungen. Das ist aber nicht der Fall. Es braucht von allen mehr Bereitschaft, die Dinge in ihrer Komplexität zu sehen.“

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Auch ein Experte wie Scheibelhofer muss diese Bereitschaft immer wieder bei sich selbst entwickeln. Kürzlich hatte er nach eigenen Angaben eine Diskussion mit einem Bekannten, der nun regelmäßig mit seinem jugendlichen Sohn ins Fitnessstudio geht. Die Fixierung auf einen kräftigen Körper, wie sie im aktuellen Fitness-Boom wieder auflebt, ist aus seiner Sicht problematisch. Klassische männliche Werte von Härte und Stärke werden hier buchstäblich in den Körper eingeübt, meint er. Scheibelhofer musste sich danach jedoch auch selbst hinterfragen, ob er damit nur sein eigenes Wertesystem seinem Freund überstülpt. Nur weil er selbst einen Twerking-Kurs besucht, wo er als einziger Mann das Hüftkreisen übt, muss das sein Freund auch tun? Außerdem sitzt das Vorurteil tief, dass ein kräftiger Körper den Intellekt behindere.

Dennoch bleibt Scheibelhofer dabei, dass den Männern eine noch breitere Palette an Denk- und Verhaltensweisen angeboten werden müsse. Wenn sie sich dann immer noch entscheiden würden, den eher klassischen Männlichkeitsweg zu gehen, dann sei das ihre Entscheidung, jedoch eine Entscheidung, die persönliche und gesellschaftliche Kosten habe. Mark Zuckerberg übrigens zeigte sich gestern zur Amtseinführung Trumps auf Instagram im feinen Zwirn und schrieb: „Optimistic and celebrating America“.

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