Artikeltyp:Meinung
Die Notwendigkeit von Chimären in der heutigen Zeit
Nachdem unser Kolumnist sich ausgiebig mit seinem Hund Jack beschäftigt hat, wendet er sich nun einem anderen Thema zu, das ihn erheitert: dem Lachen. Dieses Mal geht es um eine Anekdote aus der Lebensgeschichte des Technologieunternehmers Vivek Ramaswamy, der nun zusammen mit Elon Musk daran arbeiten soll, die US-Regierung effizienter zu gestalten.
Natürlich, die Situation ist schrecklich, aber nicht hoffnungslos. Alice Weidel redet von Adolf Hitler als „Kommunisten“, in Grönland werden Obdachlose dafür bezahlt, den „Anschluss“ zu feiern, und in Kalifornien retten Feuerwehrleute verwirrte Füchse aus den Flammen.
Ein Lebenslaufdetail von Vivek Ramaswamy bringt jedoch etwas Licht in die Dunkelheit. Der Technologieunternehmer versuchte kurzzeitig, US-Präsident zu werden, erkannte jedoch schnell seine Aussichtslosigkeit und wurde zum Unterstützer von Trump. Als Belohnung oder Bestrafung soll er nun zusammen mit Elon Musk die Kommission „Department of Government Efficiency“ leiten, die offiziell zwei Billionen Dollar einsparen soll. Als Hundebesitzer bin ich mir jedoch unsicher, wie effizient diese beiden die Effizienzbehörde führen werden, denn es kann nur einen Anführer im Rudel geben.
Obwohl Ramaswamy weniger bekannt ist als Musk, kann er auf eine beeindruckende akademische Laufbahn zurückblicken. Er studierte Biologie, und für seine Abschlussarbeit über die ethischen Fragen bei der Erschaffung von menschlich-tierischen Chimären erhielt er den Bowdoin-Preis der Harvard University.
Menschlich-tierische Chimären. Wow. Chimären sind mythische Wesen wie der geflügelte Löwe, der über den Markusplatz in Venedig wacht, oder der Hippogreif Seidenschnabel aus „Harry Potter“. Heute werden sie als große Hoffnung in der Genforschung betrachtet. Dass ein führender Politiker sich damit auseinandergesetzt hat, gibt Anlass zur Hoffnung. Denn selten waren Chimären so notwendig wie heute! Mit einem Elefantenrüssel könnte Robert Habeck noch effektiver gegen den Klimawandel ankämpfen. Mit den sich in der Schädelmitte treffenden Hörnern eines Kaffernbüffels könnte Olaf Scholz widrige Realitäten, wie etwa schlechte Umfragewerte, einfach niederreißen. Und auf den Artistenbeinen eines Schneeleoparden könnte Friedrich Merz seinen Parteirivalen Söder quer durch die Alpen jagen.
Die Zukunft gehört den Hybridwesen
Diese Visionen sind näher, als man denkt. Ein Ethiker für Chimären als Sparbeauftragter – ist das nicht schon eine Art von Chimärenexistenz? Ähnliches könnte man von vielen Führungskräften sagen, die der nächste US-Präsident um sich schart: ein Impfskeptiker als Gesundheitsminister, ein angeblicher Alkoholiker als Verteidigungsminister, ein offensichtlicher Gestaltwandler als Vizepräsident. Der Drahtzieher und Milliardär Peter Thiel beschreibt die Karrieremetamorphosen in seinem Lager so: „Die Demokratische Partei ist wie das Imperium (die böse Macht bei ‚Star Wars‘, Anm. d. Red.). Bei denen sind alle Stormtrooper. Und wir sind die bunte Allianz der Rebellen. Es gibt einen Teenie-Chewbacca und eine Art Prinzessin Leia.“ Das Bild ist clever und hinterhältig, denn traditionell sieht sich die Linke als Kraft des Individualismus und der Rebellion.
Und das schließt nahtlos an Ramaswamys Dissertation an: Die Zukunft gehört den Hybridwesen. Fehlt nur noch der schießwütige Waschbär aus „Guardians of the Galaxy“. Vielleicht als neuer CIA-Chef?
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
