Headshops: Spitze des Spießertums und völlig überholt!

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Von : Larissa Vogler

Nichts war spießiger und hängengebliebener als Headshops


Artikeltyp:Meinung

Die Spießigkeit von Headshops ist unübertroffen

Bei einem Halt an einer Tankstelle in Franken stößt unser Autor auf eine Vielzahl an Zubehör für Cannabis-Konsumenten. Warum er diese Entwicklung begrüßt? Weil er die damit verbundene Folklore und pseudo-rebellische Kultur nach wie vor für tief konservativ hält.

Heute kostet der Diesel in Bubenreuth 1,50 Euro pro Liter. Ich erinnere mich daran, dass ich 2022 einmal 2,20 Euro an einer Autobahn-Tankstelle bezahlt habe. Im Vergleich dazu fühlt sich das Tanken heute fast wie ein kleiner Verdienst an. Die Tankstelle in Bubenreuth dient schon seit längerem auch als Paketshop und Café. Gelegentlich sieht man dort Trucker bei einer Pause und Mitarbeiter des Grünflächenamts in ihren signalorangen Anzügen, die bei einer Bockwurst und Kaffee sitzen.

Ich wollte eigentlich nur für das Tanken bezahlen, doch dann sehe ich einen Grinder auf der Theke. Ein Grinder – und das muss man nicht unbedingt wissen – ist ein Gerät zum Zerkleinern von Cannabis. Auf Englisch bedeutet „to grind“ mahlen, ähnlich wie eine Kaffeemühle, die „coffee grinder“ genannt wird. Seit der partiellen Legalisierung von Cannabis am 1. April 2024 kann man solche Grinder, Bluntwraps (leere Jointhüllen) oder Cannabissamen nun fast überall erwerben – in Spätis in Berlin, in Kiosken an Bahnhöfen im Emsland, in einem Rewe auf der Schwäbischen Alb oder eben hier in Bubenreuth in Mittelfranken.

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Zwischen Gummibärchen, Snickers und Feuerzeugen findet man nun auch Kiffer-Zubehör, das es früher ausschließlich in Headshops gab. Diese Läden, bekannt für ihre Cannibal-Corpse- oder Bob-Marley-T-Shirts und Wasserpfeifen in obszönen Formen, sind nun nicht mehr die einzigen Bezugsquellen. Ich finde es großartig, dass man nun fast alles, was das Kiffer-Herz begehrt, einfach an der Tankstelle kaufen kann. Nichts war je spießiger und rückständiger als diese Headshops.

Ich war selbst nie ein Kiffer, auch weil ich die damit verbundene Folklore und pseudo-rebellische Kultur bis heute als zutiefst konservativ empfinde. In Jörg Fausers Roman „Rohstoff“ aus den 1980er Jahren hing bereits ein „Legalize Pot“-Plakat, illustriert mit einem nackten Allen Ginsberg, der auf einem Klo saß und einen Zylinder trug – und selbst Fauser hielt das damals für rückständig. Intellektuell und ästhetisch hat sich dieses Milieu kaum weiterentwickelt. Es ist zwischen ACAB-Pullovern, Hans-Söllner-Humor und einem Anti-Gefühl, trotz Aufwachsen im Reihenhaus, erstarrt wie ein erfrorenes Wildschwein in einem eisigen See. Die Cannabis-Prohibition war nicht nur falsch, sie hat auch Deutschland hässlich und stumpf gemacht.

Stellen Sie sich vor, um ein Bierglas zu kaufen, müssten Sie ein Geschäft aufsuchen, in dem ständig ein Prosit der Gemütlichkeit läuft, der Verkäufer nach jedem zweiten Satz „Oans, zwoa, g’suffa“ ruft, und zu jeder vollen Stunde eine Rede von Markus Söder über die potenzsteigernde Wirkung von Hefe-Weizen abgespielt wird. So war es jahrelang mit dem Kiffen. Es war unwürdig und traurig. Ein Genussmittel sollte einfach nur ein Genussmittel sein, ohne dass man damit eine ganze Lebensart kaufen muss.

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Die sogenannte Cannabisierung des Abendlandes ist daher rundum zu begrüßen. Ein Grinder an der Tankstelle mag vielen Leuten unwichtig erscheinen. Es ist ein kleiner Schritt für den Verkäufer im Tankstellen-Shop. Doch für Deutschland ist es ein großer Schritt.

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